Landgericht fällte Urteil gegen drei junge Männer

Ladenräuber müssen in Haft

Kassel/Fritzlar. Genau 23 Tage waren der Unterschied. Nur gut drei Wochen, bevor er mit seinem kleinen Bruder und einem Freund ein Goldankaufgeschäft in Fritzlar überfiel und fast 6000 Euro erbeutete, hatte der junge Mann 21. Geburtstag gefeiert.

Als sich das Räubertrio nun vor dem Kasseler Landgericht verantworten musste, galt er damit als Erwachsener - als einziger der drei Angeklagten. Und muss deshalb nicht nur als einziger in den normalen Strafvollzug, sondern auch am längsten hinter Gitter.

"Pech", befand Oberstaatsanwältin Andrea Boesken. "Zufall", sagte Richter Jürgen Dreyer. Zu zweieinhalb Jahren Gefängnis wegen schweren Raubes wurde der 21-Jährige aus Bad Wildungen verurteilt.

Gegen seinen ein Jahr jüngeren Bruder verhängte die Strafkammer eine Jugendstrafe von zwei Jahren. Und ihr Kumpel kam mit einer Jugendstrafe von zwei Jahren und drei Monaten davon.

Dabei war ihm neben dem Raub auch noch eine brutale Kirmesschlägerei in Mandern zur Last gelegt worden. Mindestens drei Besucher des Dorffests im Mai 2012 hatte der junge Mann verletzt; einem brach er das Nasenbein, einen anderen prügelte er in die Bewusstlosigkeit. "Da wurde einfach wild gekloppt, weil wild gekloppt werden sollte", sagte die Oberstaatsanwältin.

Es war nicht das erste Mal, das der 21-Jährige aus Fritzlar unkontrolliert zugeschlagen hatte: Sein Vorstrafenregister ist erstaunlich lang für sein Alter. Und auch das Bad Wildunger Brüderpaar hat bereits Erfahrungen mit der Justiz. Alle drei stammen aus schwierigen Verhältnissen, haben zwar Schulabschlüsse, aber keine Ausbildung und leben planlos in den Tag hinein. Mit, so schien es jedenfalls, dem Fritzlarer Busbahnhof als Lebensmittelpunkt. Und Alkohol und Cannabis als Lebensinhalt.

An jenem Januarmorgen waren sie, mit dunklen Kapuzenpullovern und Schals vermummt, in den Goldankaufsladen gestürmt, hatten die Verkäuferin mit zwei (defekten) Soft-Air-Pistolen bedroht - und binnen weniger Sekunden deren gut gefülltes Portmonee geleert. Anschließend reisten sie nach Amsterdam. Und kifften. Denn das war das Ziel des Überfalls, wie die Angeklagten vor Gericht gestanden: Geld für Cannabis.

Als "unreifen und unfertigen Menschen" beschrieb die Jugendgerichtshilfe den jüngsten der Männer. Faktisch, sagte Richter Dreyer, gebe es, was Alter, Reife und Tatbeitrag angehe, "keinen nennenswerten Unterschied" zwischen den dreien. Bis auf die blöde Sache mit dem 21. Geburtstag.

Quelle: HNA

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