Unfall bei Jesberg: Noch einmal Bewährungsstrafe für alkoholkranken Rollerfahrer

Gericht sieht letzte Chance

Kassel/Jesberg. „Und diesmal“, fragt Berufungsrichter Horst Schönhofen mit leiser Skepsis in der Stimme, „soll das klappen?“ Der Mann auf der Anklagebank windet sich. „Tja“, sagt er dann. „Muss.“ Der 55-Jährige aus Jesberg weiß, dass er gerade seine letzte Chance bekommen hat: Obwohl er bereits zum vierten Mal verurteilt wurde, weil er sturzbetrunken und ohne Führerschein Roller gefahren ist, bleibt ihm der Gang hinter Gitter doch noch erspart.

Das hatte vor einem halben Jahr noch ganz anders ausgesehen: Damals war der Mann vom Amtsgericht in Fritzlar zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er wieder einmal einen Unfall mit seinem Roller gebaut hatte. Bei der Berufungsverhandlung am Donnerstag vor dem Kasseler Landgericht änderte sich an diesem Strafmaß nichts. Aber weil sich der 55-Jährige in der Zwischenzeit zu einer Alkoholtherapie entschlossen hat, wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Zum allerletzten Mal.

Es ging um einen Crash im Juli 2010 zwischen Jesberg und Reptich. Mit 1,79 Promille Alkohol im Blut – was für seine Verhältnisse freilich eher wenig war – war der Angeklagte mit seinem Roller auf die Gegenfahrbahn geraten und mit einem Motorrad zusammengestoßen. Beide Fahrer waren bei dem Unfall jedoch nur leicht verletzt worden.

Bei dieser Rollertour hatte der 55-Jährige zudem unter einschlägiger Bewährung gestanden: Nur anderthalb Jahre vorher war er zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe wegen „fahrlässiger Trunkenheit im Straßenverkehr“ verurteilt worden. Der Knast schien also unausweichlich. Doch die Angst davor trieb den Mann zu ungeahnten Leistungen: Erstmals gelang ihm, was vorher vollkommen undenkbar war – er hielt Abstand von Bier und Schnaps.

Nach einer dreimonatigen Alkoholentwöhnung lebt der Jesberger jetzt in einem sozialtherapeutischen Wohnheim für Suchtkranke und arbeitet im dazugehörigen Biobauernhof. „Das läuft eigentlich sehr gut“, berichtete eine Betreuerin. Einen Roller besitzt er heute nicht mehr.

Das Berufungsgericht sah den Mann darum „am Anfang einer Kehrtwende“. Sollte der Angeklagte wieder rückfällig werden, gebe es kein Pardon mehr. (jft)

Quelle: HNA

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