Geschäftsleitung unter Handlungsdruck

Urteil gegen Edeka Hessenring: Abzüge für Sonntagsarbeit widersprechen Grundsatz

Melsungen. Mitarbeiter der Abteilung Frischdienst bei der Edeka in Melsungen müssen laut Verdi seit Jahren  finanzielle Abzüge für Sonntagsarbeit hinnehmen - das aber steht im Widerspruch zum Arbeitsrecht.

Die Regelung widerspricht dem Gleichbehandlungsgrundsatz des Arbeitsrechts - das hat das Arbeitsgericht Kassel in einem Urteil festgestellt. „Damit steht die Geschäftsleitung unter Handlungsdruck“, sagt Manuel Sauer, Fachsekretär Handel bei der Gewerkschaft Verdi Nord- und Osthessen.

Verdi hatte Anfang 2015 die Arbeitsbedingungen in der Abteilung Frischdienst kritisiert. Die 120 Mitarbeiter dieser Abteilung beliefern Händler mit Frischware wie Salat. Seit einem Jahr haben sich die Arbeitszeiten der Abteilung geändert: die Mitarbeiter arbeiten jetzt ausschließlich in der Spätschicht, entweder von 12 bis 20 oder von 14 bis mindestens 22 Uhr. „Zum Teil sind die Kollegen erst um Mitternacht zuhause“, sagt Sauer. Diese Mitarbeiter könnten am normalen Leben praktisch nicht teilhaben.

Da eine Änderung dieser Arbeitszeiten offenbar nicht möglich sei, fordere Verdi als Ausgleich, dass die Edeka Hessenring die Abzüge für Sonntagsarbeit reduziert. Denn derzeit sei es so, dass Mitarbeiter, die jeden Sonntag arbeiten, zwar die Zuschläge für Sonntagsarbeit erhielten. Dafür würden aber die Prämien um 75 Euro pro Person und Monat gekürzt, die die Mitarbeiter für das Erreichen bestimmter Leistungen erhalten.

„Diese Mitarbeiter sind keine Großverdiener“, betont Sauer. „Bei einem Bruttolohn von 1800 Euro ist ein Abzug von 75 Euro viel Geld.“

Hans Richard-Schneeweiß von der Geschäftsführung der Edeka-Hessenring wollte sich auf HNA-Anfrage nicht zu diesem Thema äußern.

Quelle: HNA

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