Mutter und Kind war Zutritt zur Toilette verwehrt worden – „bedauerlicher Einzelfall“

Geschäft offen fürs Geschäftchen

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Öffentliche Toilette in Melsungen: Das WC am Sand machte einen durchaus guten Eindruck.

Melsungen. Adolf Köttig ist empört: Seinem dreijährigen Enkelkind ist in der vergangenen Woche beim Besuch eines großen Melsunger Geschäftes der Gang zur Toilette verwehrt worden. Mutter und Kind wurden von Verkäuferinnen zu öffentlichen Toiletten verwiesen.

„Es ist eine Schande für unsere Stadt, dass die großen Einzelhandelsgeschäfte in Melsungen nicht in der Lage sind, ihren Kunden die Toilettenbenutzung zu gestatten“, findet Köttig, der sich mit seinem Problem an die HNA gewandt hat.

In Kassel sei dies in großen Geschäften ohne weiteres möglich. Dort sei der Kunde König, in Melsungen werde er dagegen zum Bettler degradiert.

Ein Einzelfall? Jürgen Gaebler, Vorsitzender der Gemeinschaft des Melsunger Einzelhandels, hofft das. Er habe zum ersten Mal von einem solchen Fall gehört, erklärt Gaebler. Grundsätzlich ermuntere der Gewerbeverein seine Mitglieder, freundlich mit den Kunden umzugehen. Dass man ihm in einem solchen Notfall den Zugang zur Toilette gewährt, sollte selbstverständlich sein. Das gelte besonders für Kinder.

„Die meisten Geschäfte haben keine Kundentoilette. Aber auf Nachfrage sollte der Toilettenbesuch ermöglicht werden, selbst wenn der Kunde nichts gekauft hat“, sagt Gaebler. Das sieht man bei dem kritisierten Geschäft grundsätzlich auch so. Bei dem anfangs beschriebenen Fall habe es sich um eine bedauerliche Ausnahme gehandelt. Grundsätzlich seien die Angestellten angewiesen, betroffene Kunden zur Personaltoilette zu führen. Das komme praktisch täglich vor und werde auch so gehandhabt, erklärte die Geschäftsführerin.

Öffentliche Toiletten gibt es in Melsungen an der Stadthalle, bei der Bushaltestelle Am Sand sowie am Rathaus. Sie werden täglich gesäubert, das Papier auch mehrmals täglich aufgefüllt, hieß es auf HNA-Anfrage bei der Stadt. Mutter und kleine Tochter mochten diese Toiletten nicht benutzen, weil es dort so streng gerochen habe, berichtete Adolf Köttig.

„Das liegt an den scharfen Putzmitteln, die wir aus Hygienegründen benutzen müssen“, erklärte ein städtischer Mitarbeiter. „Die riechen nicht gut. Aber mit Essigreiniger kommt man in einer öffentlichen Toilette nicht weit.“

Quelle: HNA

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