Drogenrazzia am Harthberg: Landgericht bestätigt Urteil gegen Äthiopier

Marburg/Schwalmstadt. Weiter im Gefängnis bleiben muss ein 41-jähriger berufs- und erwerbsloser Äthiopier, der wegen unerlaubtem Handeltreibens mit Betäubungsmitteln am 2. September vergangenen Jahres festgenommen worden war und seit dieser Zeit in der Justizvollzugsanstalt Fulda einsitzt.

In mindestens 109 Fällen hatte ihn die Staatsanwaltschaft des Drogenhandels überführt. Die Vorwürfe hatte der Mann auch zugegeben. Er hält sich mit Unterbrechungen seit 1992 in der Bundesrepublik auf, ist seit dieser Zeit in Deutschland geduldet und lebte bis zu seiner Verhaftung im Schwalmstädter Asylbewerberheim „Am Hardtberg“ von einer geringen staatlichen Unterstützung. Vor allem dort hatte er auch seine Geschäfte abgewickelt.

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Wegen des gewerbsmäßigen Handel Treibens mit Cannabis war er bereits am 14. Februar vergangenen Jahres vom Amtsgericht Schwalmstadt zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Weil dem 41-jährigen die Strafe zu hoch erschien hatte der Asylbewerber, der zur Berufungsverhandlung mit Handschellen aus der U-Haft vorgeführt wurde, vor dem Marburger Schöffengericht Berufung gegen das Urteil eingelegt. Allerdings hatte auch die Staatsanwaltschaft, die bereits in Schwalmstadt eine Strafe von drei Jahren und zwei Monaten beantragt hatte, ihrerseits Berufung eingelegt.

Die Mengen an Cannabis, die der Angeklagte in Umlauf gebracht hatte, waren beträchtlich. In mehreren Fällen hatte er Verpackungseinheiten von 50, 70 oder sogar hundert Gramm in unterschiedlichen Qualitätsstufen an eine Vertrauensperson der Polizei, die diese auf Grund eines vorherigen Verdachtes in das Umfeld des Äthiopiers eingeschleust hatte, verkauft. Nach dem Strafgesetzbuch wird dabei jede der Einzeltaten abhängig von der Handelsmenge an Rauschgift mit einer Mindeststrafe von einem Jahr oder auch einem Jahr und sechs Monaten geahndet.

Der Staatsanwalt hatte in diesem Zusammenhang rechnerisch eine Gesamtstrafe von mehr als 110 Jahren ermittelt. Der Antrag des Verteidigers, der in der Berufungsverhandlung für die 109 Fälle insgesamt nur ein Jahr und neun Monate beantragte, entlockte daher dem Vorsitzenden Richter Dr. Carsten Paul auch nur ein mildes Lächeln.

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Weil das Rauschgift ja durch den Verkauf an eine polizeiliche Vertrauensperson nicht in Umlauf gekommen oder verbraucht worden sei, begründete der Verteidiger in seinen Antrag die Gesamttat sogar als minderschweren Fall. „Das ist doch eine oder auch mehrere Stufen zu weit von der Realität entfernt“, bemerkte der Richter an die Adresse des Angeklagten und seines Verteidigers, der daraufhin seinen Antrag neu fasste und zwei Jahre Gefängnis für seinen Mandanten beantragte. Die Staatsanwaltschaft forderte zwei Jahre und neun Monate Gefängnis.

In seinem Urteil verwarf Richter Dr. Paul beide Berufungen und bestätigte damit das Urteil des Amtsgerichts Schwalmstadt. Einen minderschweren Fall sah das Gericht dabei keinesfalls.

Von Alfons Wieber

Quelle: HNA

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