Stadtmarketing: Wie eine Laus im Pelz sein

15 Geschäfte stehen in der Homberger Altstadt leer

15 Geschäfte stehen in der Homberger Altstadt leer

Homberg. Die Schaufenster leer, Scheiben mit roten Hinweisschildern beklebt und am Abend brennt in vielen Häusern in der Homberger Altstadt kein Licht. Spaziert man durch die Gassen, wirkt es, als stünden immer mehr Geschäfte und auch Wohnhäuser leer.

Schnell hat man 15 leer stehende Geschäfte gezählt. Doch dieser Eindruck täusche, sagt der Geschäftsführer des Homberger Stadtmarketings, Dr. Dirk Richhardt. Es gebe zwar 15 Leerstände in der Altstadt, aber 2012 seien es 22 Geschäfte gewesen, die nicht mehr betrieben wurden. Der Eindruck entstehe wohl, weil in vielen der Läden Hinweisschilder auf Räumungsverkauf, Schließung und Nachmietersuche aufmerksam machten.

„Dadurch fällt das mehr ins Auge“, sagt Dr. Richhardt, der seit 2012 das Stadtmarketing leitet. Lieber wäre es ihm, wenn statt dieser Schilder die Fensterzeilen ansprechend dekoriert wären. Etwa mit Kunst von Homberger Schülern. Doch darauf ließen sich viele Vermieter nicht ein. Derzeit plane das Stadtmarketing eine Werbe-Aktion mit Aufstellern, auf denen Hombergs schönste Seiten zu sehen sind. „Diese könnten dann in leerstehenden Geschäften aufgestellt werden, das würde die Stadt attraktiver machen.“

Schön wäre es auch, wenn die Besitzer der nicht bewohnten beziehungsweise bewirtschafteten Gebäude auch mal die überquellenden Briefkästen leeren würden. „Manchmal muss ich die Laus im Pelz sein und auf solche Dinge aufmerksam machen“, sagt Dr. Richhardt. Auch das gehöre zu seiner Arbeit.

Gründe dafür, dass nur schleppend neue Mieter für die Geschäfte gefunden würden, gebe es viele, erklärt er. Oft seien die Gebäude in der Hand von Erbengemeinschaften, was Verhandlungen erschwere. Außerdem seien die Mietpreisforderungen oft zu hoch und einige Gebäude in einem desolaten Zustand. Auch die Größe der Geschäfte sei ein Problem. „Es sind eher die kleineren Flächen, um die 40 Quadratmeter. Die sind nicht so attraktiv. Es gibt nur ein Highlight, das ist der ehemalige Spar-Markt mit etwa 400 Quadratmetern“, so Dr. Richhardt.

Und auch die Lage spiele eine entscheidende Rolle. „Je weiter weg von der Drehscheibe, desto schwieriger die Vermarktung.“ „Mir blutet bei jedem Leerstand das Herz.“ Dr. Dirk Richhardt Grundsätzlich sei es wichtig, dass er nicht erst kurz vor einer Schließung davon erfahre, sondern so bald wie möglich. „Dann können wir auch reagieren und bei der Suche nach Nachmietern helfen“, so Richhardt.

Wohnungen in der Altstadt seien ebenfalls wegen des oft schlechten Zustandes der Gebäude schwer an Mieter zu vermitteln, weiß Dr. Richhardt. Das betreffe vor allem die Untergasse und die Holzhäuser Straße. Insgesamt sei die Zahl der Bewohner in den vergangenen drei Jahren von 1200 auf 800 gesunken. „Das hört sich gravierend an, ist aber im Vergleich mit anderen Städten nicht schlecht“, lautet sein Fazit. Schade sei, dass man in Homberg schnell damit sei, die Dinge zu benennen, die nicht gut laufen.

„Was gut läuft, wird oft nicht gesehen“, sagt Dr. Richhardt und nennt den Wochenmarkt als Beispiel. „Der läuft richtig gut und dient auch dazu, Leben in die Altstadt zu bringen.“ Selbst jetzt, in den Wintermonaten, gehe es mit dem Markt weiter. „Die Händler wollen ihre Stammkunden nicht verlieren, und bald werden auch wieder alle Marktstände da sein.“

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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