Hartmut Bossel analysiert die Vergangenheit, um Lösungen für die Zukunft zu finden

Aus der Geschichte lernen

Hartmut Bossel mit seinem neuem Buch: In „Zufall, Plan und Wahn“ erklärt er historische Zusammenhänge. Foto: Laumann

zierenberg. Es sind zwei große gesellschaftliche Fragen, die Hartmut Bossel antreiben: Wie ist in unserer Welt alles gekommen, und wie könnte es weitergehen? Die Antworten darauf füllen Bibliotheken. Die Erklärungen des Zierenbergers passen auf 436 Seiten. Er gibt sie in seinem jüngsten Buch „Zufall, Plan und Wahn. Chronik der Entwicklungen, die unsere Welt veränderten“.

Hartmut Bossel, 76 Jahre alt, ist emeritierter Systemwissenschafter. Seit 1973 erfasst er gesellschaftliche und naturwissenschaftliche Phänomene und bildet sie in mathematischen Modellen ab. Es geht um die Frage: Was sind die treibenden Kräfte hinter der Entwicklung? Und welche Muster haben heutzutage noch Bedeutung? Fragen, die er sich in seinem Buch von der ersten bis zur letzten Seite, vom sechsten bis zum 21. Jahrhundert stellt.

Bossel wählt einen anderen Ansatz als andere Geschichtsbücher-Autoren. „Ich halte mich nicht an Kaiser und Schlachten fest. Es geht nicht von Jahr zu Jahr“, sagt er. Vielmehr ging es ihm darum, die Zusammenhänge zwischen Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Philosophie und vielem mehr darzustellen. „Alles ist miteinander verbunden“, erklärt Bossel.

Was abstrakt klingt, macht der Autor plastisch. Er verweist in dem Buch immer wieder auf seine eigene Ahnenreihe und knüpft damit an die Arbeit seiner Mutter Gertraude Bossel-Gmeiner an. Sie hatte die Geschichte ihrer Vorfahren einst bis in das fünfte Jahrhundert zurückverfolgt. Die Verquickung seiner und ihrer Forschung gebe dem Werk ein menschliches Gesicht, sagt Bossel. Dadurch hätte Bossel noch einmal nachvollziehen können, was seine Vorfahren miterlebt und unter welchen Zwängen sie gelebt hätten.

Bei seinen Recherchen stieß der 76-Jährige auf zahlreiche Überraschungen. Vieles habe er selbst nicht gewusst oder zum ersten Mal so wahrgenommen: Etwa die Grausamkeiten der Ketzerverfolgung in der katholischen Kirche. „Es sind viele Sachen, bei denen man sich fragt, wozu der Mensch alles fähig ist“, sagt Wissenschaftler Bossel.

Als „nützliches Nachschlagewerk“ sieht Bossel sein Buch. Auch soll es einen Anreiz schaffen, sich tiefergehend mit den Themen zu beschäftigen. Dem 19. und 20. Jahrhundert räumt der Wissenschaftler den größten Platz ein. In der Zeit sei einfach am meisten passiert.

Bossel macht aber nicht im Hier und Jetzt Schluss. Er blickt nach vorne. Wie könnte es weitergehen? „Es wird eine größere Kooperation zwischen den Ländern geben und um eine bessere Absicherung der Umwelt gehen“, vermutet er. Seine Thesen dafür zieht er aus der Vergangenheit - Dem Schlüssel für eine nachhaltige Zukunft.

Von Anke Laumann

Quelle: HNA

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