Thomas Schattner ist Lehrer und Historiker und hält sein Wissen in Büchern fest

Geschichten vor der Tür

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Geschichte zum Anfassen: Der Lehrer, Historiker und Autor Thomas Schattner in seinem Minimuseum in der THS in Homberg.

Homberg. Alte Bücher, Papiere, Akten und Möbel sind seine Leidenschaft: Thomas Schattner hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Er lebt für die Geschichte. Der gebürtige Waberner hat Kunst, Geschichte, Politik und Wirtschaft und Erdkunde auf Lehramt studiert.

Er arbeitet an der Theodor-Heuss-Schule (THS) in Homberg als Lehrer. Auch dort ist Geschichte sein Spezialgebiet.

Vom Nationalsozialismus über die 1968er Bewegung bis hin zu einem Bildband über die THS hat er auch in seiner Freizeit bereits Bücher verfasst. Seine Schüler sind aber oft sein Ansporn, in der Geschichte nach Geschichte zu suchen. Er versucht immer, neue Wege der Betrachtung für die Schüler zu finden.

Bücher sind wie Kinder

Seine Bücher befassen sich alle mit dem Schwalm-Eder-Kreis, bringen den Bewohnern des Kreises also die Geschichte vor die Haustür. „Eine Historie mit Personen aus der Stadt, die man vielleicht kennt, ist viel einfacher vorstellbar als eine, die in Berlin spielt“, erklärt Schattner.

Locker zurückgelehnt mit einem Stoffband am Arm erläutert er, wie er seine Liebe zum Alten entdeckt hat: „Ich habe bereits seit meiner Jugend Interesse an Geschichte. In alten Büchern habe ich immer wieder Hinweise gefunden, die in den Landkreis geführt haben.“ Jene Bücher habe er aus Neugier im Staatsarchiv in Marburg gelesen.

Die Idee, sein Wissen in Bücher zu packen, kam ihm spontan. Zwei weitere Bücher sind in Planung und sollen noch in diesem Jahr erscheinen. Wie lange er für einen Band benötigt, ist unterschiedlich, je nachdem wie viel seine Bibliothek oder sein Kellerraum mit Akten hergeben. „Ich bin wissensdurstig nach Geschichte, und jedes Buch ist wie ein Kind für mich“, gibt der 50-Jährige lachend zu. Die Zeit zum Schreiben nähme er sich einfach, es fühle sich für ihn an wie eine Therapie, wenn er die leeren Seiten mit Leben und Fakten fülle. Durch die Arbeit lerne man sehr interessante Menschen kennen. Aber es tun sich auch Probleme auf: Beim Verfassen seines Buches über die Juden in Wabern hätten viele Familien nicht gewollt, dass ihre Familiengeschichte festgehalten werden sollte.

Thomas Schattner setzt sich neben dem Schreiben auch für zahlreiche Projekte an der THS ein. Er hat ein Minimuseum in der Schule eingerichtet, vollgestellt mit Karten, Möbeln, Akten und Fotos über die Schule.

Das Museum ist drei Mal drei Meter groß und besteht seit dem Jahr 2003.

Ein Umzug in größere Räume ist geplant, damit Bibliothek und Museum erweitert und von den Schülern zum Lernen genutzt werden können. „Die Schüler sollen das Wissen weitergeben können, damit es für die Nachwelt gesichert ist“, erläutert der Historiker seinen Wunsch. Und natürlich soll die Geschichte vor der Haustür nicht in Vergessenheit geraten.

Von Leona Nieswandt

Quelle: HNA

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