Französische Erzählerin zog Schüler der König-Heinrich-Schule in ihren Bann

Geschichten und große Gesten

Ausdrucksstark: Die Erzählkünstlerin Catherine Bouin war an der Fritzlarer König-Heinrich-Schule zu Gast. Foto: privat

Fritzlar Auf die besondere Kunst des Erzählens versteht sich Catherine Bouin, die an der Fritzlarer König-Heinrich-Schule mit ihren europäischen, afrikanischen und arabischen Geschichten 200 Französisch-Schüler der Jahrgänge 9 bis 13 in ihren Bann zog.

Bouin lebt und arbeitet als „conteuse professionnelle“. In Deutschland wäre sie damit hauptberufliche Erzählkünstlerin. Dieser Beruf ist noch relativ unbekannt, obwohl auch hierzulande die entsprechenden Akademien stetig wachsen und sich die verschiedenen Erzählfestivals immer größerer Beliebtheit erfreuen.

Ihr Talent hat Bouin 1991 zufällig entdeckt. Sie entschied sich danach für eine dreijährige Ausbildung in Alès, gründete die Künstlergruppe „La compagnie de la Hulotte“ („Die Gesellschaft der Waldkauze“) und tingelt seither durch Frankreich und Deutschland.

Touren durch Deutschland

Auf ihren Tourneen durch Deutschland hat sie viel Erfahrung in der Begegnung mit deutschen Jugendlichen gesammelt und versteht es, ohne selbst Deutsch sprechen zu können, mit ihren Geschichten und ihrem Erzähltalent deutsche Schüler regelrecht in ihren Bann zu ziehen.

Die Französischschüler der König-Heinrich-Schule lauschten der Erzählkünstlerin aufmerksam. An ihren Blicken war zu erkennen, wie gefesselt sie der Darbietung folgten und wie stolz sie waren, dem Französischen folgen zu können. Eine Schülerin meinte anschließend: „So möchte ich auch mal erzählen können.“

Kunst des Spannungsbogens

Mit Stimme, Mimik, Gestik und Körpersprache haucht Bouin ihren Figuren Leben ein. Sie braucht keinen Text und keine Requisiten. Bouin kennt ihre Geschichten. Sie weiß, was sie vermitteln will und wie ein Spannungsbogen aufgebaut wird.

Die Schüler hörten Geschichten und „contes philosophiques“ („philosophische Märchen“) aus verschiedenen Kulturkreisen, die seit ewigen Zeiten von Mund zu Ohr über sämtliche Landesgrenzen wandern.

Wenn Bouin vom afrikanischen Fischer ‚Driss’ erzählt, sehen ihre Zuhörer die Farben Afrikas, das Blau des afrikanischen Himmels, das Ocker der Erde und spüren die Last auf dem gekrümmten Rücken des Fischers.

Für die Schüler war die Darbietung von Bouin ein in vielerlei Hinsicht sehr positives Erlebnis. Die Französin verschaffte ihnen einen Einblick in fremde Kulturkreise und ließ sie teilhaben an einem traditionsreichen Kulturgut.

Gleichzeitig gelang es ihr, die französische Sprache so zu vermitteln, dass die Jugendlichen, die Französisch lernen, ihr entspannt folgen konnten. (red)

Quelle: HNA

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