Neue Ausstellung: Seniorenclub Wabern präsentiert Projektarbeiten im Diakoniezentrum Frielendorf

Geschichten aus Kisten und Koffern

Lebensspuren im Koffer: Hans Georg Wissel und Michael Meinicke vom Seniorenclub zeigen Werner Wieland und Roswitha Lange (von links) eine der vielen Erinnerungskisten. Foto: Rose

Frielendorf. Erinnern und Bewahren – das wollen die Mitglieder des Seniorenclubs Wabern mit ihrem Projekt „Erinnerungskisten“. Im Frühjahr haben Männer und Frauen insgesamt neun Kisten und einen Koffer gestaltetet.

Bilder, Fotos, Spielzeuge, Münzen und andere Kleinigkeiten erzählen aus dem Leben jedes Einzelnen – jede Kiste erinnert an besondere Momente im Leben, an Zäsuren oder Wegweiser. Im Juni wurde das Projekt im Waberner Bahnhof vorgestellt. Ab Freitag sind die Erinnerungskisten im Diakoniezentrum in Frielendorf zu sehen.

Michael Meinicke und Hans Georg Wissel haben dieser Tage die Ausstellung in Frielendorf aufgebaut. Und bemerkt: „Wer hinein schaut, der kommt automatisch ins Erzählen.“ Ursprünglich sollten es Munitionskisten sein, in denen die Erinnungen präsentiert werden, erläutert Wissel. „Aber die gibt es schlicht nicht mehr. Oder sie waren zu groß und unbrauchbar.“

Die Waberner bauten ihre Kisten kurzerhand selbst. Michael Meinicke hat seine Geschichte in einen alten Koffer gepackt: Er, Jahrgang 1948, der in der russischen Zone Ost-Berlins aufwuchs und 1961 hautnah miterlebte, wie die Mauer errichtet wurde. 1978 bereitete er gemeinsam mit seiner Frau die Flucht nach West-Berlin vor. Drei Kreuze stehen in seiner Erinnerungskiste. Für die Toten an der Berliner Mauer. „ Mit Günther Litfin, dem ersten, habe ich im Sandkasten gespielt“, sagt Meinicke.

Abbruch und Neuanfang

Es ist eine Geschichte des Abbruchs – die der alten Zelte im Osten – und des Neuanfangs im Westen: Mit D-Mark statt Ostgeld, mit Mercedes statt Trabant, mit Nivea statt Florena. So vielfältig wie die Gestaltung der Erinnerungskisten sind auch die Geschichten.

„Und sie sprechen nicht nur ältere, sondern auch junge Menschen an“, hat Hans Georg Wissel die Erfahrung gemacht.

Werner Wieland, Geschäftsführer des Diakoniezentrums, ist sicher, dass sich vor allem die im Haus lebenden dementen Bewohner stark angesprochen fühlen werden. „Wir werden mit den Erinnerungskisten aktiv im Haus arbeiten, sie in die Beschäftigungsgruppen einbeziehen“, erklärt er. Der Seniorenclub möchte das Projekt gern weiter begleiten:

„Wir haben 140 Mitglieder und es sind bis jetzt neun Kisten entstanden. Jeder, der eine Erinnerungskiste gestalten möchte, ist bei uns herzlich eingeladen“, sagt Hans Georg Wissel.

Der Treffpunkt des Seniorenclubs ist das Café am Rathaus in Wabern, das donnerstags, freitags und sonntags von 14 bis 18 Uhr öffnet. (zsr) • Ausstellungseröffnung morgen, Freitag, 15 Uhr, Diakoniezentrum Frielendorf

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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