Juristen besuchen seit zehn Jahren Seminare über Psychiatrie bei Vitos Kurhessen

Mit geschultem Blick

Kleines Jubiläum: Seit zehn Jahren gibt es in Merxhausen für Juristen Seminare über Psychiatrie. Ins Leben gerufen hatten sie (von links) Helmut Blomer (ehemaliger Präsident des Landgerichts Kassel), Renata von Pückler (Richterin am Amtsgericht Meldungen) und Wolfgang Kloß (Stellvertretender Direktor der Vitos Klinik für Pychiatrie und Psychotherapie. Ebenfalls auf dem Foto sind die Referenten Dr. Gerhard Kromat und Andrea André. Foto: Thon

Merxhausen. Juristen sind keine Psychiater, Psychiater keine Juristen. Und doch erweist sich das Wissen der jeweils anderen Berufsgruppe bei zahlreichen Verhandlungen vor Gericht als hochrelevant. Daher bietet des Land Hessen bei Vitos Kurhessen Seminare für Juristen an. Deren Ziel ist es, Juristen mit einem Basiswissen über psychiatrische Erkrankungen auszustatten.

Junge Staatsanwälte und Richter aus ganz Hessen sind auch jetzt wieder zu Gast in Merxhausen. Noch bis Freitag lernen sie dort Krankheitsbilder kennen, mit denen sie vor Gericht regelmäßig konfrontiert werden. So können an Schizophrenie erkrankte Menschen oder Menschen mit einer Alkohol- und Drogenabhängigkeit Straftaten begehen. Die Frage nach der Schuldfähigkeit muss beantwortet werden. Betreuungsrichter müssen darüber entscheiden, ob jemand mit einer schizophrenen Psychose oder einer alterspsychiatrischen Störung einen Betreuer zur Seite gestellt bekommt.

Kritische Kontrolle

Weil es den Gerichten an medizinischer Kompetenz fehlt, werden Gutachter angerufen. Allerdings sollten Jursiten die Expertisen nicht unhinterfragt hinnehmen, sagte Helmut Blomer, ehemaliger Präsident des Landgerichts Kassel. Zusammen mit Renata von Pückler, Richterin am Amtsgericht Melsungen, und Wolfgang Kloß, Stellvertretender Direktor der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, hatte er die Seminarreihe aus der Taufe gehoben. Blomer rief die Rechtsvertreter zu einer „kritischen Qualitätskontrolle der Sachverständigenäußerungen“ auf.

Während der Fortbildung erhalten die Teilnehmer Gelegenheit, mit Patienten zu sprechen. Eben diese Gespräche waren es, die Renata von Pückler vor zehn Jahren so begeisterten, als sie zusammen mit einer Studentengruppe bei Wolfgang Kloß zu Gast war. Damals war die Idee gereift, eine Fortbildungsreihe für Juristen anzubieten. Bis zum Jahr 2004 wählten sich lediglich Richter und Staatsanwälte aus Nordhessen in das Seminar ein. Seit 2005 wird die Veranstaltung nun hessenweit angeboten und ist ausgebucht.

Bei den Juristen kommt der interdisziplinäre Austausch gut an. Ihnen geht es um den richtigen Umgang mit den Betroffenen und die Frage, wann es sinnvoll ist, ein Gutachten in Auftrag zu geben. Vor Gericht würden sie immer wieder mit auffälligen Menschen konfrontiert, die Grenze zwischen psychischer Erkrankung und Verhaltensauffälligkeiten sei für sie oft schwer einzuschätzen.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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