Ausstellung von Anna Elisabeth Grein im Malerstübchen

Erkennt die Details auf den ersten Blick: Annemarie Korell aus Holzburg in der Schwälmer-Stickerei-Ausstellung von Anna Elisabeth Grein im Malerstübchen Willingshausen. Foto: Diehl

Willingshausen. Wenn Gesticktes wie gemalt aussieht, kommt Handwerk Kunst ganz nah. So gesehen, hätte die Ausstellung über Schwälmer Weißstickerei von Anna Elisabeth Grein auch in der Kunsthalle gezeigt werden können.

Aber im Malerstübchen des Gerhardt-von-Reutern-Haus nebenan ist es doch etwas gemütlicher. Etwas Zeit und Muße sollte man schon mitbringen, denn das Lebenswerk der Willingshäuser Stickerin steckt voller überraschender Details. Eine, die diese schon auf den ersten Blick erkennt, ist Annemarie Korell aus Holzburg. Mit ihr trafen wir uns in der Ausstellung, die bis zum Wochenende schon mehr als 300 Gäste aus ganz Deutschland angezogen hat.

„Der Stil von Frau Grein ist einfach unverwechselbar“, sagt ein Besucher aus dem Taunus. Ihr Schwung beim Sticken, alles wirke wie im Fluss, organisch. „Ganz speziell sind ihre Blätter“, springt Annemarie Korell bei. „Die haben so eine naturnahe Form, die bekommt niemand so hin.“ Da zeige sich, dass Anna Grein auch zwei Winter lang Malunterricht bei Marianne Heinemann genommen habe. Heute ist sie eine der letzten, die frei nach alten Mustern zeichnet, was dann mit Nadel, Garn und Fingerhut auf Leinen gestickt wird. Das Besondere an der Schwälmer Weißstickerei - die dicht an dicht angelegten Muster auf Handtüchern, Bettüberwürfen, oder Miedern waren nicht zuletzt auch ein Zeichen für den Reichtum der Schwalm. „Anna Elisabeth Grein übernimmt diese alten Muster und entzerrt sie nicht“, so die Holzburgerin, die vor 33 Jahren in einem Kurs bei der Meisterin das Sticken gelernt hat und seitdem nicht mehr davon lassen kann. „Sticken macht einfach Spaß“, sagt sie mit strahlenden Augen.

Besondere Muster

Sowohl in der Technik – ob aufliegend, mit ausgezogenen Fäden oder ausgeschnitten, als auch in den Mustern zeigt das Lebenswerk von Anna Elisabeth Grein die Vielfalt der Schwälmer Stickerei. Neben Herz, Tulpe und Kreis sind auch Hirsche, Rehe, Hunde und immer wieder Vögel auf den Decken, Kissen und Handtüchern zu erkennen. Ein Wiegentuch, in dem Babys getragen wurden, bevor es Kinderwagen gab, diente als Vorbild für ein Tischdeckchen, auf dem symmetrisch zwei Damen im Muster zu erkennen sind.

Dabei hat Anna Elisabeth Grein getreu den alten Mustern nicht immer nur weißes Garn verwendet, sondern auch rotes und blaues Leinen in ihre Muster eingearbeitet, oder die typische farbige Krone mit Initialen und Jahreszahl in das Stickmuster integriert. „Die Schwalm ist voller Besonderheiten“, erklärt Anna Elisabeth Grein, die jeden Tag zur Ausstellung anwesend ist.

Von Kerstin Diehl

Quelle: HNA

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