Naturführungen für Gehörlose in Zierenberg

Begrüßung in Gebärdensprache: Naturpark führerin Susanne Heyne bietet Wanderungen in Gebärdensprache an. Auf unseren Fotos formt sie mit den Händen „ Herzlich willkommen“. Fotos:  Renner

Zierenberg. „Die Grammatik ist komplett anders, es ist eine Fremdsprache", sagt Susanne Heyne. Weit mehr als 1000 Stunden hat die Dörnbergerin Gebärdensprache gelernt. Unter dem Dach des Naturparks Habichtswald bietet sie seit einigen Monaten ihre Naturparkführungen auch in Gebärdensprache an - und ist damit eine der ganz wenigen in der Region.

Susanne Heyne ist neugierig. Schon als Kind hat sie die gehörlosen Verwandten ihrer Mutter genau beobachtet, wenn die sich mit den Händen unterhielten. „Ich wollte das auch verstehen“, sagt die 47-Jährige. Mittlerweile versteht sie die Gebärdensprache, hat sich ausbilden lassen, ein halbes Jahr in Vollzeit. Heyne ist jetzt Kommunikationsassistentin für Deutsche Gebärdensprache.

Flexible Sprache

Dass sie die Gebärdensprache perfekt beherrscht, würde sie dennoch nie behaupten. „Dazu ist viel Arbeit, viel Training nötig“, sagt sie. „Bis man richtig gut ist, dauert es eine ganze Zeit.“ Die Sprache der Gehörlosen ist sehr komplex, für so manches Wort gibt es viele verschiedene Gebärden, erklärt Heyne.

„Eine Art Hochdeutsch gibt es nicht.“

Außerdem gebe es - wie bei der gesprochenen Sprache - unterschiedliche Gebärden je nach Region. „Eine Art Hochdeutsch gibt es nicht.“ Knifflig ist auch die Grammatik. „Verben stehen in der Gebärdensprache immer am Satzende,“ gibt sie ein Beispiel. Die Gebärdensprache entwickele sich sehr schnell. Wenn es für etwas keine Gebärde gebe, erzählt sie, definiert jemand eine, die sich verbreitet.

Das macht es durchaus schwer, die Sprache der Gehörlosen zu lernen. Aber Susanne Heyne mag genau das. Sie findet es toll, dass diese Sprache so flexibel ist.

Wer sich einen kleinen Einblick in die Welt der Gehörlosen verschaffen will, kann an der Wanderung „Ohren zu und Hände hoch“ teilnehmen. Die bietet Susanne Heyne regelmäßig am Fuße des Dörnbergs an. Dort bringt sie den Teilnehmern bei einer Tour einige Grundlagen der Gebärdensprache bei. „Damit will ich auch ein Bewusstsein dafür erzeugen, dass es leicht ist, sich mit den Händen zu unterhalten“, sagt die Erzieherin der Kasseler Schmorell-Schule.

Zwei Routen

„Der Hasunger Klostergarten und seine Erlebnisse durch die Jahrhunderte“ ist der Titel der Wanderung, die sie auch für Gehörlose anbietet. Zwei verschiedene Routen hat sie ausgearbeitet, beide starten am Gut Bodenhausen zwischen Ehlen und Zierenberg. Die eine führt zu den Quellen, die das Gut speisen, die andere zu den Resten der Mühlen an der Warme. Beide dauern jeweils anderthalb bis zwei Stunden.

Service: Die (Gehörlosen-) Wanderungen von Susanne Heyne finden regelmäßig statt. Alle aktuellen Termine sind im Internet zu finden auf

www.naturpark-habichtswald.de

Von Julia Renner

Quelle: HNA

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