Unternehmertag beschäftigte sich mit Perspektiven für die Energiewende

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Über erneuerbare Energien im Gespräch: Von links Karl-Otto Winter (Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses), Dr. Martin Hoppe Kilpper (Instituts für dezentrale Energietechnologie), Wolfgang Imberger (Kraftstrom-Bezugsgenossenschaft), Moderatorin Petra Nagel, Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich, Reinhard Bauer (Firma Horn und Bauer), Thomas Weber (Eon Mitte) sowie Landrat Frank-Martin Neupärtl beim Unternehmertag in der Homberger Stadthalle.

Homberg. Der Folienhersteller Horn und Bauer aus Schwalmstadt stellt sich auf steigende Energiepreise ein und wird voraussichtlich ein eigenes Blockheizkraftwerk mit einer Leistung von 400 Kilowatt bauen.

Ein Ingenieurauftrag sei dazu bereits vergeben worden, berichtete Firmenchef Reinhard Bauer am Dienstagabend beim Unternehmertag in der Homberger Stadthalle.

Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich dürfte diese Initiative gefallen haben. Sie hatte die 130 Gäste mit einem Vortrag zum Thema Chancen und Risiken der Energiewende auf das Thema des Abends eingestimmt.

„Die Energiewende muss gelingen. Wir können uns keine Experimente leisten“, sagte sie. Es gehe nicht allein um einen schnellen, sondern einen klugen Ausbau der erneuerbaren Energien.

Wichtig sei nicht nur die Erzeugung selbst, auch das Verteilnetz müsse synchron mitwachsen. Das setze unter anderem auch eine hohe Akzeptanz bei den Menschen voraus. Laut einer Umfrage seien zwar 95 Prozent aller Hessen für erneuerbare Energien, wenn dann eine Windkraftanlage entstehe solle, werde das aus eigener Betroffenheit oft abgelehnt.

Akzeptanz entstehe auch, wenn sich Bürger durch den Kauf von Zertifikaten oder über Genossenschaften an Windparks beteiligen könnten. Für Unternehmen könne es sinnvoll sein, ältere Maschinen und Heizungen auszutauschen und Gebäude zu dämmen.

60 Prozent der Energie werde für Heizung und Warmwasser benötigt. Von solchen Investitionen profitierten auch die heimischen Handwerksbetriebe. In der anschließenden Podiumsdiskussion bat Moderatorin Petra Nagel die Gesprächspartner, eine Vision für das Jahr 2025 zu entwerfen. „Wir werden 25 Prozent weniger Energie verbrauchen und der Rest, den wir benötigen, wird zu 60 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen“, sagte Dr. Martin Hoppe-Kilpper, Geschäftsführer des Instituts für dezentrale Energietechnologie (IdE) in Kassel. 30 000 Arbeitsplätze würden in diesem Bereich entstehen, davon 3000 in der Forschung.

Skeptischer fiel der Ausblick von Unternehmer Reinhard Bauer aus. Er befürchtet, dass wegen der Umlage durch das Erneuerbare-Energie-Gesetz die Stromkosten deutlich steigen werden. Das könne je nach Standort des Unternehmens zu Wettbewerbsverzerrungen führen.

Bauer brachte einen unkonventionellen Vorschlag in die Diskussion ein. „Ich würde jegliche Förderung abschaffen und eine Energie-Maut erheben“, sagte er.

Die Zahl der Erzeuger von Ökostrom steigt nach Angaben von Thomas Weber (Eon Mitte) rasant an. Pro Jahr würden 7000 neue Anlagen angeschlossen. Die steigenden Strompreise könnten aus seiner Sicht dazu beitragen, dass effizienter mit Energie umgegangen wird. Viele scheuten noch die Anfangsinvestitionen, dabei gebe es beim Energiesparen noch ein großes Potenzial.

Eher sorgenvoll schaut Wolfgang Imberger (Kraftstrom-Bezugsgenossenschaft) auf die Entwicklung der Strompreise. Wegen der hohen Kosten beim Netzausbau und für die Speicherung von Strom sprach er sich für eine stärkere dezentrale Versorgung aus. Auch die KBG sei auf der Suche nach geeigneten Standorten für Windparks. Die Untersuchungen seien aber aufwändig.

Die erneuerbaren Energien könnten für Arbeitsplätze und eine zusätzliche Wertschöpfung sorgen, hatte Karl-Otto Winter (Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses) gesagt. Der Strom müsse aber auch bezahlbar bleiben.

Die Bemühungen des Landkreises um Energieeinsparung und Klimaschutz schilderte Landrat Frank-Martin Neupärtl. „Die Energiewende hat im Schwalm-Eder-Kreis bereits begonnen“, sagte er.

Quelle: HNA

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