Beim Albshäuser Forsthaus suchten sich viele Familien am Samstag ihren Christbaum aus

Gesucht: Der perfekte Baum

Er ist gefunden: Uwe und Elke Tasler aus Söhrewald tragen ihren Weihnachtsbaum aus der Albshäuser Kultur – und zwar vorsichtig, damit die Äste nicht abknicken. Fotos:  Mangold

Albshausen. Gerade gewachsen, nicht zu groß und nicht zu klein, mit gleichmäßig dichten Zweigen und ordentlicher Spitze sollte er sein: Den richtigen Weihnachtsbaum zu finden, ist gar nicht so einfach. Besonders dann nicht, wenn die Auswahl so groß ist. 2000 Bäume stehen in der Weihnachtsbaumkultur am alten Forsthaust in Albshausen.

Beim jährlichen Weihnachtsbaumverkauf der Revierförsterei Eiterhagen fällten am Samstag die Kunden ihren Wunschbaum selbst, bezahlten bei Revierförster Andreas Heimann einen festgelegten Preis pro Meter und bekamen ihn von den Forstwirten in ein Netz verpackt für den Transport nach Hause.

Lieber noch weitergucken

„Ich denke immer, wenn ich noch weiter laufe, finde ich noch was Besseres“, sagte Christiane Kuhnt aus Heßlar schmunzelnd. Sie brauche immer eine Weile, bis sie den perfekten Baum gefunden habe. Ihren Mann schickte sie so lange Bratwürstchen essen: Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Eiterhagen boten heiße Getränke und Speisen für die Hobby-Baumfäller an.

Über den richtigen Baum mussten sich manche auch erst mal einig werden: Sebastian Berge, Nils Koch, Eva Heideroth und Manuela Scholz stimmten demokratisch ab über den schönsten Baum für die Eltern, bevor sie ihn fällten. Wichtige Kriterien waren die Größe, der Umfang und der gleichmäßige Wuchs, schließlich soll der Baum gut ins Zimmer passen.

Eine Ecke darf ruhig nicht so hübsch sein – damit stünde der Baum dann an der Wand, erklärte Jutta Krüger. Sie war mit ihrem Mann zum ersten Mal seit langer Zeit wieder im Wald, um einen Christbaum zu holen, Anlass war der zweijährige Enkel Aaron. „Es ist wie im Märchen“, meinte sie mit Blick über die tief verschneite Schonung.

Seit 33 Jahren fällt das Ehepaar Tasler aus Söhrewald seinen Baum selbst im Wald, das gehöre zu Weihnachten für sie dazu, erzählten sie. „Mach doch bitte da mal den Schnee ab“, bat Elke Tasler ihren Mann Uwe bei einer etwa zwei Meter großen Nordmanntanne. „Das täuscht nämlich, so sehen sie toll aus, aber wenn der Schnee ab ist, ist der Baum nackig“, erklärte sie. Gleichmäßig gewachsen sollte der sein und nicht zu breit, damit er zu Hause nichts einengt. „Dem fehlt die Spitze“, stellte Uwe Tasler fest, die wachse zwar noch nach, aber nicht mehr im Wohnzimmer. Zum Sägen hatte er eine praktische Taschensäge dabei, mit der er den passenden Baum fällte und zusammen mit seiner Frau aus der Schonung trug, damit die Äste nicht abknickten.

Die selbst geschlagenen Weihnachtsbäume seien frisch und außerdem frei von Pestiziden, erklärte Revierförster Heitmann. Sie wären nicht schon im Sommer geschlagen und im Kühlhaus gelagert worden, hätten keinen weiten Transportweg hinter sich und verlören nicht gleich nach dem Aufstellen ihre Nadeln, wie beispielsweise Weihnachtsbäume aus Dänemark.

Wegen der besseren Öko-Bilanz kaufte auch Volker Döberitz aus Körle seinen Weihnachtsbaum bei der Revierförsterei. „Kunstbäume werden nach durchschnittlich fünf Jahren weggeschmissen“, sagte der nebenerwerbstätige Bio-Landwirt, der mit Sohn Elias für sich und seinen Nachbarn zwei Bäume fällte. Daher seien extra angepflanzte Weihnachtsbäume, vor Ort selbst geschlagen, die beste Lösung. Nach Weihnachten verfüttere er die Zweige an seine Pferde und verheize den Stamm, das verbessere die Öko-Bilanz noch zusätzlich.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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