Homberger muss sich für Tod eines Kumpels verantworten

Kassel/Homberg. Der angeklagte Homberger will mit dem Tod seines Kumpels nichts zu tun gehabt haben. Der 55-Jährige sei tot gewesen, als er am 13. September 2012 nach einigen Stunden daheim in dessen Wohnung in der Homberger Innenstadt zurückgekehrt sei, sagt der 39-Jährige.

Vor dem Sofa habe der Kumpel gelegen: „Ich dachte, der schläft nur.“ Dann habe er die Decke gelüftet und gesehen, dass der andere nicht mehr atmete.

Seit Montag muss sich der 39-Jährige für den Tod des Kumpels vor dem Kasseler Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn der Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Die Schwurgerichtskammer geht davon aus, dass auch eine Verurteilung wegen Totschlags in Frage kommt. Seit siebeneinhalb Monaten sitzt der Homberger wegen der Sache in Untersuchungshaft.

Laut Anklage ist der 55-jährige an einer Gehirnblutung gestorben. Die soll die Folge stumpfer Gewalteinwirkung auf die linke Gesichtshälfte gewesen sein - in Form eines Faustschlages vermutlich. Den Schlag soll der 39-Jährige seinem Kumpel im Zuge eines Streit verpasst haben - und im Zustand verminderter Schuldfähigkeit. Am Auge des Leichnams wurde ein Hämatom festgestellt.

Der 39-Jährige aber bestreitet, dem Kumpel auch nur einen einzigen Schlag versetzt zu haben. Auch von einem Streit in der Nacht, den Nachbarn gehört haben wollen, wisse er nichts.

Der Kumpel sei „sowieso laut“ gewesen, sagt er und schildert die Beziehung als Kontakt zwischen arbeitslosen Einsamen: „Wenn Du allein sitzt, den ganzen Tag, wirst Du verrückt.“ Man habe zusammen gekocht, Filme gekuckt, getrunken. An jenem Tag Wodka und Bier. Der Kumpel habe sich öfter besoffen Verletzungen zugezogen.

Bei der Polizei ist auch der Angeklagte als Trinker bekannt. Mehrfach habe er ihn als „hilflose Person“ aufgegriffen, berichtet am Montag ein Beamter der zur Tatzeit in Homberg arbeitete. Als aggressiv sei der 39-Jährige ihm aber nicht aufgefallen: „Als Schläger habe ich ihn nicht im Gedächtnis.“

Am Tattag soll der Angeklagte Nachbarn des 55-Jährigen gesagt haben, dass der Kumpel tot in der Wohnung liege. Als die Kriminalpolizei ihn später zuhause abholte, habe der 39-jährige geschwankt und gelallt, berichtet ein Beamter dem Gericht. Der Mann von der Kripo war an jenem Septembertag auch an der Leichenschau beteiligt: „Ich hätte nicht gedacht, dass die Verletzung - das Hämatom - todesursächlich sein könnte“, berichtet er. Das habe er erst bei der Obduktion erfahren. Die habe auch ergeben, dass der 55-Jährige nach dem Schlag noch einige Zeit gelebt haben müsse.

Für den Prozess sind vier weitere Verhandlungstage angesetzt.

Von Katja Schmidt

Quelle: HNA

Kommentare