Volker Schilling erinnert sich an Startbahn-Einsatz

Getrommelt wie die Römer bei Asterix

Hungrig: Nach mehr als zwei Tagen gab es das erste warme Essen. Volker Schilling, damals 43 Jahre, ließ es sich schmecken. Foto: nh

Wolfhagen. Mit der Berichterstattung in der HNA-Sonntagszeit kam die Erinnerung: Volker Schilling, bis zur Pensionierung Chef der Wolfhager Polizei, las mit Interesse die Geschichte über die Auseinandersetzungen an der Startbahn 18 West, die Räumung des Hüttendorfs vor 30 Jahren.

Und kramte dann in seinem Archiv, suchte nach Fotos. Einen Tag nach der Räumung des Hüttendorfs, dem Zentrum des Protestes gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens, wurden auch neun Beamte der Wolfhager Polizeistation nach Frankfurt abkommandiert, um die Kollegen dort zu unterstützen. „Mit vier Stunden Vorlaufzeit“, wie sich Schilling erinnert. Er war dabei. Schlecht ausgerüstet seien die Hundertschaften in den Wald geschickt worden - kein Kartenmaterial zur Orientierung, keine Knieschützer, kein Atemschutz.

Volker Schilling

„Wir haben dort das Gelände abgeriegelt“, sagt er. Zwischen den Demonstranten und der Polizei: Stacheldrahtrollen. „Es gab Stunk.“ Wasserwerfer und Tränengas wurden eingesetzt. „Wir hatten verbalen Kontakt mit den Demonstranten“, von denen einige mit Schleudern Schrauben, Steine und Stahlkugeln auf die Polizisten katapultiert hätten. Die hatten zum Schutz ihre Schilde, auf die sie drohend mit ihren Gummiknüppeln trommelten. „Wie die Römer bei Asterix.“

Zumutung

Unterm Strich, sagt Schilling, sei der Einsatz eine Zumutung gewesen. Auch, weil es das erste warme Essen erst nach 49 Stunden gab, als Unterkunft eine Frachtflughalle herhalten musste, in der sich sechs bis sieben Hundertschaften drängten und acht Toiletten teilen mussten. „Es war alles mit Mängeln behaftet“, erzählt er. Zehn Mal war Volker Schilling später noch an der Startbahn eingesetzt. Viele Fotos hat er gemacht, von ihm selbst gibt es nur sehr wenige. (nom)

Quelle: HNA

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