Betrug und Körperverletzung: Ehemaliger Türsteher zu Gefängnisstrafe verurteilt

Mit Gewalt und Abzocke

Treysa. Weil er mit Betäubungsmitteln gehandelt haben soll, musste sich am Dienstag ein 31-Jähriger aus dem Altkreis Ziegenhain vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Schwalmstadt verantworten. 57 Fälle des Handels mit Haschisch, Marihuana, Amphetaminen und Heroin wurden dem ehemaligen Türsteher einer Diskothek im Altkreis Ziegenhain vorgeworfen.

Laut Anklage soll der 31-Jährige die Drogen von Juli 2010 bis Mai 2011 im Asylbewerberheim am Harthberg und in der Diskothek angeboten haben.

56 Fälle eingestellt

Nach einer mehr als dreistündigen Verhandlung mit einigen Unterbrechungen, stellte das Gericht auf Antrag des Vertreters der Staatsanwaltschaft 56 Fälle des Drogenhandels gegen den Angeklagten ein. Mit verhandelt wurde ein weiteres Verfahren, zu dessen Vorwürfen er sich schuldig bekannte. Das Gericht verurteilte den mehrfach vorbestraften 31-Jährigen wegen Betrugs und zweifacher Körperverletzung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten.

In Handschellen

In Handschellen und in Begleitung zweier Justizvollzugsbeamter erschien der Angeklagte, der zur Verhandlung von der JVA Gießen nach Schwalmstadt überführt worden war, vor Gericht. Sein Mandant sei grundsätzlich aussagebereit, erklärte der Anwalt des 31-Jährigen.

„Ich will der Strafe nicht entgehen. Ich hab viel Mist gebaut, das weiß ich. Wenn es ein faires Urteil gibt, können wir verhandeln“, ließ der Angeklagte selbst verlauten. Er gab zu, in einem Fall eine Drogenabhängige um 100 Euro gebracht zu haben, indem er ihr Heroin dafür versprochen, aber nie geliefert habe. Ähnlich sei er mit einem 35-jährigen Zeugen und dessen Kumpel verfahren, die er um 140 Euro gebracht habe. Er habe selbst Drogen konsumiert, aber sie nicht verkauft, erklärte der Angeklagte. Von Zeugen sei er aus persönlichen Gründen fälschlicherweise beschuldigt worden. Kontakte zum Wohnheim am Harthberg stritt er nicht ab.

Er kenne die Leute aus seiner Zeit als Türsteher und habe hin und wieder dort übernachtet, wenn ihn niemand hätte nach Hause fahren können. Den Tatvorwurf der Körperverletzung gab der 31-Jährige zu. Er habe sich gegen den Schlag eines Discobesuchers zu Wehr gesetzt und ihn dann getreten. Auch sei er dabei gewesen, als die Türsteher den Mann vor der Disco weiter malträtiert hätten.

Zwei Zeugen fehlten

Von den insgesamt sechs vorgeladenen Zeugen erschienen zwei nicht vor Gericht, darunter ein erkrankter Polizeibeamter. Als haltlos bezeichnete ein 53-jähriger Polizeibeamter die im Verlauf der Verhandlung seitens des Angeklagten geäußerten Vorwürfe, die gegen ihn ermittelnden Beamten seien korrupt und hätten sich ihm gegenüber nicht korrekt verhalten. In Handschellen vorgeführt wurden zwei weitere Zeugen, Häftlinge der JVA Gießen und der JVA Wiesbaden.

„Ich habe bei der Polizei nicht die Wahrheit gesagt und möchte auch gar keine Aussage machen“, sagte einer von beiden, ein 22-Jähriger aus Stadtallendorf. „Ich habe dazu gar nichts zu sagen“, verweigerte auch der 21-jährige Häftling der JVA Wiesbaden die Aussage.

Als Drogendealer belastet wurde der Angeklagte vom 35-jährigen Zeugen, der sich hinsichtlich seiner Polizeiaussage vor Gericht jedoch in Widersprüche verstrickte.

Von Kerstin Heist

Quelle: HNA

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