Neujahrsempfang des DGB in Homberg

Gewerkschaftsbund thematisierte Thema Niedriglöhne

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Der Rosenmontag war kein Thema: Der Neujahrsempfang des DGB in Homberg war trotz des Karnevals in der Region gut besucht.

Schwalm-Eder. Gewerkschafter verstehen keinen Spaß, wenn es um ihre Ziele geht. So hatte sich der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Schwalm-Eder nicht gescheut, am Rosenmontag seinen Neujahrsempfang auszurichten.

Wichtigstes Thema im Wahljahr seien Niedriglöhne, machte Gastredner Bernhard Schiederig klar, der bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Interessen der Arbeitnehmer im Handel vertritt und auch für den Schwalm-Eder-Kreis zuständig ist.

Niedriglöhne würden im Landkreis sogar häufiger als im Landesdurchschnitt gezahlt: 25,4 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten seien davon betroffen, hessenweit dagegen mit 21,3 Prozent deutlich weniger, erläuterte er.

Das liege vor allem daran, dass sich einige große Betriebe im Landkreis und in der näheren Umgebung aus der Tarifbindung verabschiedet hätten. Als Beispiele nannte er die Hardtwaldkliniken, Bettenwelt, Amazon und Edeka. Bei Libri in Bad Hersfeld sei nun nach drei Jahren Kampf ein Erfolg erzielt worden - die Tarifbindung bestehe wieder.

"Von Niedriglohn sprechen wir immer dann, wenn ein Lohn in Westdeutschland weniger als 9,54 Euro beträgt", erklärte Bernhard Schiederig. Das sei aber noch lange nicht die Untergrenze, viele Menschen arbeiteten für weit weniger Geld.

2,5 Millionen Menschen bekämen in der Bundesrepublik weniger als sechs Euro pro Stunde. Nicht immer treffe der Niedriglohn gering Qualifizierte. "80 Prozent haben eine abgeschlossene Berufsausbildung, sieben Prozent sogar einen Hochschulabschluss." Teilzeitbeschäftigte würden oft am schlechtesten bezahlt, davon seien mit 65 Prozent vor allem Frauen betroffen.

Befristete Arbeitsverträge, Leiharbeit, geringfügige Beschäftigung - all das werde immer häufiger. Die Hartzgesetze hätten die Personalpolitik der Firmen noch begünstigt.

Bernhard Schiederig erneuerte die Forderung des DGB nach einem flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Es gelte, den Missbrauch der Arbeit einzudämmen und das Lohn- und Sozialdumping zu unterbinden.

Darin folgte ihm der DGB-Kreisvorsitzende Klaus Schelberg, der für einen Regierungswechsel plädierte, um Leiharbeit und Niedriglöhnen den Garaus zu machen.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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