Gewissheit nach 70 Jahren

Reinhard Spratte erfuhr über den Suchdienst, wo sein Vater im Zweiten Weltkrieg gefallen ist

Hat nun Gewissheit: Reinhard Spratte erfuhr nach 70 Jahren über den Suchdienst des DRK, wo sein Vater im Zweiten Weltkrieg fiel und beerdigt wurde. Foto: Schittelkopp

Dittershausen. Nach 70 Jahren hat er nun endlich den Brief erhalten, der ihm Gewissheit brachte. Reinhard Spratte bekam Post vom Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes, sein Vater fiel am 27. April 1942 bei Rschew in Russland.

Der Dittershäuser wurde 1942 in Hagen (Nordrhein-Westfalen) geboren, seinen Vater Heinz Spratte lernte der 70-Jährige nie kennen. „Ich bin zufrieden, dass ich jetzt weiß, er hat seine letzte Ruhe gefunden“, fügte Reinhard Spratte an.

Der Suchdienst teilte dem Rentner mit, dass sein Vater in der Kriegsgräberstätte Rschew beerdigt wurde. Block eins, Reihe 16, Grab 941 bis 960, steht kühl auf dem Papier, auf das der 70-Jährige so lange Zeit gewartet hatte.

Immer wieder nachgefragt

Seine Mutter trat in den 50-er Jahren dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge bei. Sie reichte Fotos und die Feldpostnummer des Mannes für die Vermisstenbildliste ein und hoffte auf Nachricht. Als junger Erwachsener trat auch Spratte dem Volksbund bei. Regelmäßig erkundigte er sich, ob es Neuigkeiten über seinen Vater gibt. In diesem Jahr füllte Reinhard Spratte zudem einen Grabnachforschungsantrag aus. Ein paar Monate später hielt er das Schreiben des Suchdienstes in der Hand.

Das Erzählen über den Vater fällt Reinhard Spratte nicht leicht. Heinz Spratte war als Sanitäter in Russland eingesetzt. „Es galt eigentlich, dass auf Sanitäter nicht geschossen wird“, sagt Spratte und kämpft mit sich, „aber man weiß nicht, was genau passiert ist.“

Hoffnungsschimmer

In den Nachkriegsjahren hatte die Familie lange die Hoffnung, der Vater würde wieder nach Hause zurückkehren. Als zwei Kameraden des Vaters aus Russland zurückkamen, besuchten sie die Mutter. Doch sie wussten nicht, was mit Heinz Spratte während der Schlacht in Rschew geschehen war.

Als Konrad Adenauer 1955 die Rückkehr der Kriegsgefangenen durchsetzte, keimte neue Hoffnung auf. „Der Vater einer Klassenkameradin kam zurück“ erzählte der Rentner. Das ganze Haus wurde geschmückt, doch Heinz Spratte blieb verschollen.

„Es wäre schön, wenn meine Mutter das noch miterlebt hätte“, fügte er an. Nun überlegt das Ehepaar Spratte eine geführte Reise nach Rschew zu unternehmen, um das Grab des Vaters zu besuchen. Spratte fragte bei der Deutschen Dienststelle an, ob noch weitere Unterlagen oder Hinterlassenschaften wie die Erkennungsmarke des Vaters existieren. „Ich möchte auch anderen Menschen Mut machen.“ Es sei immer möglich, dass man noch eine Nachricht erhalte, sagte der 70-Jährige.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

Kommentare