Angehörige gaben Suche nicht auf

Gewissheit nach 70 Jahren - Johannes Scherp wurde seit 1944 vermisst

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Sie sind froh über die Gewissheit: Ilsemarie und Kurt Scherp setzten die Suche nach ihrem Verwandten bis zuletzt fort. 2 Fotos: ula

Gudensberg/Werkel. Dort, wo in diesen Tagen wieder geschossen und gekämpft wird, im Osten der Ukraine zwischen Donezk und Luhansk, da liegt Johannes Scherp aus Werkel begraben. Er wurde 31 Jahre alt und ist vermutlich verhungert. In einem sowjetischen Kriegsgefangenenlager mit Bergwerk Nr. 242 nahe der heutigen Stadt Gorlowka.

Nach fast 70 Jahren der Ungewissheit, der vielen Fragen und unbefriedigenden Antworten weiß Kurt Scherp aus Gudensberg heute, wo sein Onkel die letzte Ruhe fand.

Vor wenigen Tagen erst kam der Brief, mit dem er und seine Frau Ilsemarie kaum noch gerechnet hatten: Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes teilte ihnen mit, dass in den Akten deutscher Kriegsgefangener und Internierter auch Informationen über Johannes Scherp gefunden worden seien. Sie stammen aus den Archivbeständen der Russischen Föderation.

Aus dem Familienalbum: Johannes Scherp aus Werkel beim Obstpflücken. Sein Grab liegt im Osten der Ukraine.

Umfangreiche Beschreibungen und auch Karten belegen, wo der jüngste Sohn der Familie Scherp seine letzten Monate verbracht hat. Und auch wenn es schwer sei für die Familie, sich die damalige Situation vorzustellen, so ist die Gewissheit über den Verbleib eine Erleichterung.

„Mein Vater und seine Schwester haben immer nach ihm gesucht“, erzählt Kurt Scherp, Sohn des älteren Bruders Heinrich. Nicht zu wissen, was damals 1944 passiert ist, sei schlimm gewesen. Noch in jenem vorletzten Kriegsjahr war Johannes, den alle Hans nannten, auf Urlaub zu Hause gewesen. „Ich komme nicht wieder“, habe er damals seiner Mutter Amalie gesagt, und dass er ein ungutes Gefühl habe. „Verwandte wollten ihn verstecken, er sollte nicht wieder an die Front“, erzählt Ilsemarie. Aber er sei dann doch gegangen, Richtung Osten - und nie wieder zurückgekommen. Wegen zu klärender Erbfragen musste Hans schließlich offiziell für tot erklärt werden. Aber schon 1992 nahm Ilsemarie Scherp die Suche wieder auf, schrieb an DRK und Kriegsgräber-Verband, erhielt aber nie positive Antworten.

Das frühere Haus der Familie Scherp: Dort, in der Festwiese 3 in Werkel, wurde Johannes geboren. Das Haus wurde verkauft.

Schließlich starb mit dem 98-jährigen Lieschen (Elisabeth) im Jahr 2008 auch die Schwester von Hans, die drei Jahre älter war. „Schade, dass sie nicht mehr erfahren hat, was mit Hans passiert ist“, sagt ihr Neffe Kurt.

Mit den neuen Informationen werden die Einträge im Werkeler Kirchenbuch und im Standesamt jetzt aktualisiert: Johannes Scherp, geboren am 21.3. 1913 in Werkel, gestorben am 18.12 1944 in Gorlowka/Ukraine.

Ein zusätzlichen Schild am Ehrenmal für die gefallenen Soldaten aus Werkel soll an Hans erinnern, dessen Schicksal nach so vielen Jahren endlich geklärt wurde.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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