Homberg: Es gibt an allen Ecken was zu tun

Stille Winkel: Der Homberger Fotograf Jörg Zank hat ein beeindruckendes Gespür für schöne Stimmungen und Stadtansichten. Sein Bild zeigt die Kirchgasse im Gegenlicht. Foto:  Zank/nh

Homberg. Seit sieben Monaten ist Meik Ebert Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins. Jetzt fand die erste Mitgliederversammlung unter seinem Vorsitz statt. Wir sprachen mit ihm über Motivierendes und Mühsames.

Sagen Sie mal, Herr Ebert: Sie sind jetzt ein gutes halbes Jahr im Amt. Nehmen Sie mir es nicht übel, aber noch haben Sie ja keine tiefen Spuren gelegt.

Meik Ebert: Ich verstehe diese Sichtweise. Als Neuling muss man sich bei vielem erst schlau machen, Ansprechpartner finden, Leute kennenlernen. Es findet aber eben auch viel Arbeit statt, die nicht im Rampenlicht steht, wie das Förderprogramm Lokale Ökonomie. Mit dessen Hilfe werden bald drei leere Gebäude in der Innenstadt wieder besetzt und neue Unternehmen nach Homberg geholt.

Sie sagen, dass Sie Leute kennenlernen wollen: Na ja, so viele sind wir in Homberg ja nun auch nicht.

Ebert: Stimmt. Es sind noch überschaubar viele Homberger, die sich für ihre Stadt engagieren. Aber die, die aktiv sind, machen gute Arbeit und zeigen großen Einsatz. Dennoch muss deren Zahl wachsen. Ich bin weiter auf der Suche nach Leuten, die Homberg voran bringen wollen.

Moment: Sie sind der Profi. Ich dachte, dass es Ihr Job ist, Homberg voran zu bringen.

Ebert: Sicher. Gerade deshalb mache ich den Hombergern nun ja auch richtig viel Arbeit. Ich weiß, es klingt paradox: Aber so ein Stadtmarketingverein macht den Einwohnern ja nicht weniger, sondern eben mehr Arbeit. Und die ist dann nicht selten auch zäh.

Aha?

Ebert: Es gibt so viele Ideen, die man umsetzen, so viele langfristige Projekte, die man angehen könnte. Die Themen liegen ja in Homberg quasi auf dem Pflaster, man muss sie nur aufheben. Das kann ich aber unmöglich alleine – sondern nur mit einer schlagkräftigen Truppe. Mit Menschen, die sich und ihr Wissen für ihre Stadt einbringen und mitmachen wollen.

Und wie?

Ebert: Wir haben auf der Mitgliederversammlung gerade die organisatorischen Schritte vorangetrieben, um über Arbeitskreise und ähnliche Runden Menschen und Unternehmen stärker zu beteiligen.

Und Sie stehen an der Spitze.

Ebert: Ja. Und gerade deshalb muss ich dafür sorgen, dass noch viel mehr Homberger merken, dass es nicht mehr ohne ihr Einmischen und Beteiligen geht. Ich bin Geschäftsführer des Stadtmarketingsvereins. Und damit kein Einzelkämpfer, sondern der Motivator.

Sie haben 97 Mitglieder, die hinter Ihnen stehen.

Ebert: Bei meinem Start waren es 75, es können und werden noch viel mehr sein. Der Stadtmarketingverein müsste eigentlich irgendwann der größte Verein Hombergs sein. Denn wir wollen die Stadt so attraktiv machen, dass sie wieder in der selben Liga wie einige unserer Nachbarn spielt.

An welcher Ecke wollen Sie anfangen?

Ebert: Bei Innenstadt und Tagestourismus. Wir müssen mehr Menschen in die Innenstadt bringen. Auch mit solchen Förderprogrammen, mit denen wir unsere Leerstände wieder beleben. Oder mit Aktionen wie Ende Mai, als unser Marktplatz Treffpunkt für 200 Busreisende aus Bad Schwalbach war. Vielleicht auch mit einer festen Veranstaltung. Ich höre oft den Wunsch, wieder ein Stadtfest auf die Beine zu stellen.

Ein Fest dauert einen Tag. Und was machen Sie an den restlichen 364 Tagen, an denen der Marktplatz leer ist?

Ebert: Ein Fest dauert viel länger, denn es fördert das Image der Stadt. Zumal wenn es solch tolle Feste mit eigenem Profil sind. Es geht nicht nur um Aktionismus, sondern ums Weiterentwickeln von festen Marken wie dem Homberger Herbst- und dem Clobesmarkt. Die verbessern die Außenwirkung wesentlich. Und langfristig.

Sie klingen wie ein Pressesprecher der Stadtverwaltung.

Ebert: Nein! Genau das bin ich eben nicht. Der Stadtmarketingverein ist ja auch keine städtische Untergruppe, sondern ein selbstständiger Verein. Für Einwohner, Kaufleute, Verbände. Selbstverständlich bin ich auf die gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung angewiesen. Eines ist klar: Ohne Politik gibt es kein Stadtmarketing. Sowohl was grundlegende Entscheidungen als die finanzielle Unterstützung angeht. Aber wir brauchen noch mehr Beteiligung und noch mehr Menschen im Verein.

Sie sagten es bereits.

Ebert: Aber vielleicht nicht klar genug. Ja, bei mir als Geschäftsführer laufen im Stadtmarketing die Fäden zusammen. Aber mein Job ist es keinesfalls nur, die Homberger bei guter Laune zu halten und immer allein im Rampenlicht zu stehen. Ganz im Gegenteil: Ich will ja vor allem Netzwerke schaffen und Leute begeistern.

Eine schwere Aufgabe.

Ebert: Es hat ja auch keiner behauptet, dass sich die tiefen Spuren, von denen Sie vorhin sprachen, von ganz alleine graben. Und schon gar nicht von heute auf morgen.

Quelle: HNA

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