Bei Vortrag berichteten Menschen über angebliche Heilungen 

„Es gibt kein Unheilbar“: HNA besuchte umstrittenen Bruno-Gröning-Freundeskreis

Viele Anhänger, auf der Anklagebank: Der angebliche Wunderheiler Bruno Gröning (linkes Bild mit schwarzem Hemd) scharte viele Anhänger um sich. Rechts: Gröning bei einer Gerichtsverhandlung als Angeklagter 1957. Fotos: dpa

Zierenberg. Los geht's mit Musik. Dazu die Augen schließen, den Oberkörper nicht an den Stuhl anlehnen, die Beine nicht überschlagen und die Handflächen nach oben öffnen, „als würde man ein Geschenk empfangen", lautet die Empfehlung. So könne der Heilstrom besser fließen.

Ein Besuch bei einem Vortrag des umstrittenen Bruno-Gröning-Freundeskreises in Zierenberg.

Die meisten der etwa 20 Besucher am Sonntagnachmittag sind schätzungsweise 65 Jahre und älter, aber auch ein paar Jüngere sind zu der „Internationalen Vortragsreihe“ gekommen. Auf einem Tisch steht ein großes gerahmtes Foto Bruno Grönings, ein paar Blümchen daneben. Dass die Vorträge des Freundeskreises in mehr als 100 Ländern stattfinden und jährlich von rund 20.000 Menschen besucht werden, erzählt eingangs eine ältere Frau ihren Zuhörern.

Sie ist es auch, die die „offene Körperhaltung als Voraussetzung“ für das Fließen des Heilstroms erklärt. Schließlich ergreift eine Frau „Dr. Frehse aus Norddeutschland“ das Wort, eine Frau mittleren Alters mit blonden Haaren, die sehr viel lächelt. Die berichtet zunächst davon, dass rund 2000 Mediziner („bis hin zum Tierarzt“) der „Medizinisch-wissenschaftlichen Fachgruppe“ des Freundeskreises angehören. Alle Heilungen würden dort geprüft „und wenn sie objektiv sind, werden sie in der Öffentlichkeit vorgestellt“.

„Über Nacht verschwunden“ 

Die Heilungen sind es, die bei dem zweistündigen Vortrag im Vordergrund stehen. Eine 80-jährige Frau aus Kassel stellt sich vor. Sie habe viele Jahre schwere Herzanfälle gehabt, habe kaum atmen können und konnte kaum noch laufen, hatte außerdem Gelenkrheuma. 2006 kam sie dann zum Freundeskreis, besuchte einen Vortrag, und „über Nacht waren meine Depressionen verschwunden“, berichtet die Frau. Mehrmals täglich nahm sie den Heilstrom auf und 2008 habe sie dann alle Medikamente absetzen können. Ihr Herz war wieder gesund, Kontrolluntersuchungen hätten das bewiesen. Aus Sicht der Schulmedizin sei das nicht möglich, kommentiert die Ärztin.

Ähnliches berichtet eine junge Frau aus Hildesheim. Sie habe jahrelang an Depressionen gelitten und Medikamente genommen, sagt sie. Bis sie zum Freundeskreis kam. Ab der ersten Gemeinschaftsstunde im Freundeskreis habe sie sich besser gefühlt, nach fünf Wochen sei sie „nicht mehr tieftraurig aufgewacht, sondern voller Lebensfreude“.

Heilstrom zweimal täglich 

Bruno Gröning

Auch in einem Kurzfilm wird von angeblichen Heilungen berichtet. Dutzende Menschen aus allen Ländern der Erde erzählen dort von schweren Krankheiten, die sie dank Bruno Gröning nun nicht mehr hätten. Die Medizinerin lässt Krankheitsbefunde an die Wand projizieren und wie diese sich verändert haben - durch Grönings Lehre. Dass man allerdings keine Heilversprechen geben könne, wird ein-, zweimal betont.

Morgens um 9 Uhr und abends um 21 Uhr solle man den Heilstrom fließen lassen, gibt die Rednerin als Tipp. Auch ein Motto Bruno Grönings zitiert sie: „Es gibt kein Unheilbar - Gott ist der größte Arzt.“

Mit „großem Bedauern“ hat der Bruno-Gröning-Freundeskreis die Berichterstattung der HNA Wolfhager Allgemeine am Samstag, 11. April, zur Kenntnis genommen. Das sagte Rainer Maché aus Ludwigshafen, der das weltweite Pressearchiv des Freundeskreises leitet, im Gespräch mit der HNA.

Er selbst habe schon den Heilstrom an Menschen weitergegeben, berichtete er. Bereits „mehr als 80 Mal“ habe er ein Bild Bruno Grönings, das er stets bei sich trägt, auf schmerzende oder kranke Körper aufgelegt und dadurch geheilt. So habe er beispielsweise einer Frau geholfen, die „35 Jahre lang Rückenschmerzen hatte“. Auch bei ihr habe er das Foto aufgelegt und die Schmerzen seien verschwunden.

Der 65-Jährige betont: „Wir sind nicht unseriös.“ Und: „Es ist gut, Hoffnung zu haben.“ Rainer Maché räumt allerdings auch ein, dass der Freundeskreis keine Heilversprechen geben dürfe. Dennoch würden viele Ärzte die Lehre unterstützen.

„Selbst überzeugen“ 

Die Heilungen seien alle dokumentiert, „nur machen sich weder die evangelische Kirche noch die Ärztekammern die Mühe, die Heilungen zu überprüfen“. Er selbst, ein langjähriger Journalist, habe sich davon überzeugen können und „nicht nur Informationen aus zweiter oder dritter Hand ausgewertet“.

Der Freundeskreis lebe durch Spenden, sagt Maché. Die Teilnahme an Vorträgen und Seminaren sei kostenlos, jeder könne den Freundeskreis jederzeit verlassen. Er rät „entsprechend der Aussage von Bruno Gröning: Seien Sie nicht leichtgläubig, sondern überzeugen Sie sich.“

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Quelle: HNA

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