Polizeioberkommissar Uwe Zinn schult Kollegen im Umgang mit Todesnachrichten

Wenn Polizisten eine Todesnachricht überbringen müssen

Mann für sensible Situationen: Polizeioberkommissar Uwe Zinn schult seine Kollegen der Dienststelle Melsungen im Umgang mit Todesnachrichten. Foto: Kamisli

Melsungen. Suizid, Unfall oder Verbrechen: Wann immer ein Mensch unter diesen Umständen ums Leben kommt, ist es die Aufgabe der Polizei, die Angehörigen zu informieren. Eine Aufgabe, die nicht nur menschlich eine Herausforderung ist, sondern auch die Beamten an ihre Grenzen bringen kann.

Polizeioberkommissar Uwe Zinn von der Melsunger Polizeistation ist seit knapp 20 Jahren im Streifendienst tätig und hat schon unzählige Todesnachrichten überbringen müssen. „Ich habe das oft gemacht, weil ich gut damit umgehen kann“, sagt Zinn. Man dürfe das Ereignis nicht zu nahe an sich heran lassen, müsse die Distanz wahren, auch zu den Betroffenen. Ihm helfe es, sich hinterher mit Kollegen darüber auszutauschen.

Trotzdem gibt es Situationen, die der stellvertretende Dienstgruppenleiter nicht vergessen wird. Zum Beispiel die, als er gerade seit anderthalb Jahren im Streifendienst war und nachts einen Mann auf der Straße sterben sah. Die Ehefrau des Toten musste informiert werden. Das erste Mal für den Polizisten, dass er in so eine Situation kam. Und obwohl er nur dabei war und selbst nichts sagen musste, erinnert sich der 45-Jährige an das mulmige Gefühl. Und daran, dass er sich gefragt hat, ob man die Frau mit der schlimmen Nachricht einfach alleine lassen könne. Oder die Situation, als er alleine losgeschickt wurde, um Eltern die schlimme Nachricht vom Tod ihres Kindes zu überbringen, und für den Moment einfach nur froh war, dass er niemand angetroffen hat.

Grundsätzlich gehört es zur Aufgabe eines jeden Polizisten, die Angehörigen einer verunglückten Person zu informieren. Aber nicht jeder kann das gleich gut. Es sei eine Stärke zu sagen „Nein, ich kann das nicht“, sagt Zinn. „Bei uns wird immer gefragt, wer aus der Dienstgruppe kann das machen.“ Fünf Dienstgruppen mit jeweils sechs Mitarbeitern teilen sich auf der Melsunger Polizeistation den Schichtdienst.

Seit 1998 haben die Beamten die Möglichkeit, in solchen Situationen einen Notfallseelsorger dazu zu holen. „Für uns ist das auf jeden Fall eine Erleichterung“, sagt Zinn. Der Seelsorger könne zuhören, Trost spenden und den Betroffenen beistehen, wenn die Polizisten nach getaner Arbeit wieder weg sind.

In der Ausbildung werde man nicht direkt auf solche Situationen vorbereitet. „Es gibt ja auch keine Schablone für diese Arbeit. Jeder Fall ist anders, aber Parallelen gibt es schon“, sagt der 45-Jährige. Deshalb sei die Idee entstanden, die Kollegen in Melsungen zu schulen.

Von Barbara Kamisli

Quelle: HNA

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