Giftunfall: Kaum besondere Vorschriften bei Transport von gefährlichen Stoffen

Schwalm-Eder. 770 Kilometer sollte das Fass mit der giftigen Chemikalie zurücklegen: Von Amsterdam bis nach Karlsruhe. Nach 430 Straßen-Kilometern war Schluss. In einem Hauptumschlagbetrieb der Cargo-Trans-Logistik (CTL) in Homberg kam es zu dem Unfall.

Carsten Klee, Gefahrgut-Experte aus Neukirchen, bestätigte, dass die hochgiftige Chemikalie Thiophenol laut Vorschrift in einem handelsüblichen 216,5 Literfass transportiert wird. Alle Gefahrgutverpackungen sind baumustergeprüft. Das Baumuster, in diesem Fall ein Fass, muss einen Sturz aus 1,8 Meter überstehen, ohne dass es Leck schlägt.

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Weitere Sicherheitsvorkehrungen sind bei der Verpackung und beim Transport auch eines so hoch giftigen Stoffes nicht einzuhalten. „Wenn natürlich ein Gabelstapler das Fass beschädigt, wirken Kräfte, die ein solches Fass nicht aushalten kann“, sagt Klee. Jede Nacht würden in Deutschland zig Tausende solcher Fässer mit brisantem Inhalt befördert. „Die Unternehmen haben dabei natürlich ein ein Interesse, dass die Kosten überschaubar bleiben“, sagt Klee. Er schränkt aber ein, dass auch eine höherwertige Verpackung nicht automatisch einen besseren Schutz garantiere. Vorschrift ist allerdings, dass alle am Transport beteiligten Personen, die mit diesen Stoffen hantieren, in ihrem Bereich für den Umgang entsprechend ausgebildet sind. Also auch der Staplerfahrer und der Lkw-Fahrer.

Zur Verantwortung werde der Verursacher, also wahrscheinlich CTL, gezogen, sagt Klee. Eine Versicherung trete nur dann ein, wenn unbeabsichtigt oder fahrlässig gehandelt wurde. Die Ermittlungen würden sicher bereits laufen. (ddd)

Quelle: HNA

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