Unbekannte Täter bohrten in Mühlhausen Dutzende Löcher in den Stamm eines Baumes

Giftanschlag auf eine Dorflinde

Mühlhausen. „Das ist wirklich kein Schabernack.“ Iris Arndt ist empört. Die Mühlhäuserin steht vor einer Linde am Dorfplatz ihres Heimatortes. Sie blickt fassungslos auf einen Kranz von Löchern ganz unten am Stamm des Baumes.

Unbekannte haben die Linde in Mühlhausen angebohrt – systematisch, mit einem Akkubohrer, irgendwann in diesem Frühjahr. Die Löcher, zwischen drei und vier Zentimeter tief, sitzen in zwei ordentlichen Reihen rund um den Stamm. Was besonders heimtückisch ist: Der Täter hat mit einer Spritze oder einem Pinsel giftiges Pflanzenschutzmittel in die Bohrungen gefüllt. So vermutet es zumindest der Leiter des Homberger Bauamtes, Heinz Ziegler.

Baum wird sterben

Für den Baum bedeutet das das Todesurteil. Denn von einer so schweren Verletzung werde sich der Baum nicht erholen, erklärt der Homberger Stadtgärtner Gerhard Barton. „In spätestens sechs Wochen werden die Blätter braun, denn die Nahrungsbahnen hinter der Rinde wurden durch die Bohrungen zerstört.“ Der Frankfurter Baumsachverständige Philipp Funk bestätigte das in einem Gutachten.

Das ist Vandalismus

Der Schaden am Baum beträgt 5000 Euro. Was nicht zu berechnen ist, sind die Folgen dieser mutwilligen Zerstörung. Schließlich hat der 18 Jahre alte Baum an dem Rastplatz mit seinen Bänken viel Schatten gespendet. Bauamtsleiter Ziegler hat deshalb bei der Polizei Anzeige erstattet. „Das kann man nicht einfach hinnehmen“, betont Ziegler. „Das ist eine neue Qualität von Vandalismus.“

Hinzu kommt die Empörung der Menschen über die sinnlose Zerstörung und die Sorge um ihr Dorf. Schließlich hat es so etwas im Ort oder in der Gegend noch nicht gegeben. Uwe Arndt vom Mühlhäuser Ortsbeirat fasst zusammen, was alle denken: „Wer tut so etwas und vor allem warum?“ Schließlich würde der Baum niemanden stören.

So bleibt die Tat mysteriös: Keiner der Anlieger oder anderen Einwohner des Ortes habe laut Heinz Ziegler bemerkt, wie der Baum angebohrt und vergiftet wurde. Vermutlich kamen der oder die Täter nachts, tagsüber wären sie an dem belebten Platz wahrscheinlich gesehen worden. Vor sechs Wochen entdeckten Gerhard Barton und sein Team schließlich beim Rasenmähen die rund sechs Millimeter breiten Löcher. Vorher waren sie unter dem hohen Gras verborgen gewesen, wie lange, lässt sich kaum feststellen.

Unterkriegen lassen sich die Mühlhäuser von dem Baumvandalismus jedoch nicht. „Wir werden auf jeden Fall einen neuen Baum pflanzen“, verspricht Bauamtsleiter Ziegler. 

• Hinweise: Polizei Homberg, Tel. 0 56 81/ 77 43 10.

Von Friederike Szamborzki

Quelle: HNA

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