Gisela Halberstadt wanderte 850 Kilometer auf dem Jakobsweg

Kunterbunte Stempel im Pilgerpass als Beweis: Gisela Halberstadt ist den kompletten Jakobsweg gelaufen - 2014 ohne, 2015 inklusive Pyrenäen. Foto:  Hoffmann

Burghasungen. Unterwegs auf dem Camino gen Santiago de Compostela. Mehr als 60 Tage lang. Allein. Zu Fuß. Eine Herzensangelegenheit für Gisela Halberstadt, die im Pilgern auf dem Jakobsweg mehr sieht als eine simple Wanderung durch hübsche Landschaften eines fremden Landes.

„Ich möchte nicht zugeplappert werden mit irgendwelchen Banalitäten, das war mir außerordentlich wichtig“, sagt die Burghasungerin, die deshalb nach 2014 auch bei ihrer zweiten Pilgerreise auf den Spuren des Apostels Jakobus im Frühjahr auf eine Begleitung verzichtet hat.

Einsam fühlte sie sich auf ihrem Weg von den schroffen Hängen der Pyrenäen über 850 Kilometer quer durch Nordwest-Spanien dennoch zu keinem Zeitpunkt, verwendet in ihren Erzählungen wie selbstverständlich immer wieder das Wörtchen „Wir“, als wäre sie in einer Gemeinschaft unterwegs gewesen. „So hat es sich auch angefühlt“, sagt die Heilpraktikerin. „Ich habe viele nette, interessierte Menschen kennengelernt.“ Arme und Reiche, Junge und Alte, Koreaner, Anhänger Paulo Coelhos aus Brasilien, Amerikaner, Südafrikaner und sogar vereinzelt Pilger aus den Ostblockländer - alle sehr unterschiedlich, doch mit einem gemeinsamen Ziel: Santiago de Compostela. „Das verbindet, auf dem Jakobsweg sind alle gleich, da entsteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das einen auf dem ganzen Weg begleitet und nicht mehr los lässt.“

Auch wenn Halberstadt den Weg außerhalb der Hauptsaison ging, ist sie auf eine wahre Masse Pilger gestoßen. „Entweder es waren spirituelle Menschen, die auf der Suche nach sich selbst waren, einige wenige mit religiösem Hintergrund und natürlich eine Reihe Sportler, bei denen es weniger um Selbstfindung, sondern mehr um Kondition und Leistung ging.“ 30 bis 40 Kilometer hätten die pro Tag hinter sich gebracht, das sei jenseits ihrer Fähigkeiten. 20 Kilometer, mal mehr, mal weniger, hätten ihr gereicht, um ganz bei sich anzukommen, immer wieder, jeden Tag.

Ein paar Unannehmlichkeiten ließen sich da spielend wegstecken. „Man liegt Nacht für Nacht in einem anderen Bett, in dem zuvor wahrscheinlich schon Hunderte geschlafen und ihre Prägungen hinterlassen haben - da ist es doch kein Wunder, dass man ab und an schlecht träumt.“

Das gehöre einfach dazu und sei schnell vergessen, sobald der Weg wieder rufe. Allein durch die Natur laufen, mit ihr verschmelzen, sich sammeln und ganz auf das Hier und Jetzt fixieren - da bleibe kein Raum, sich mit Belanglosigkeit zu befassen.

Das Schöne und Wichtige sei, immer wieder über einen langen Zeitraum die Freiheit der Gedanken leben zu können. „Ich bin froh und dankbar, all das trotz der körperlichen Anstrengung geschafft zu haben, schließlich bin ich schon 72“, sagt sie nicht ohne Stolz und freut sich, angekommen zu sein: in Santiago de Compostela und bei sich selbst.

Über das Abenteuer Jakobsweg berichtet Gisela Halberstadt am Sonntag, 6. September, im Museum Kloster Hasungen. Der Vortrag „Erkenntnisse auf dem Jakobsweg“ mit Bildern beginnt um 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen und fließen in die Museumsarbeit.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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