Glas: Vielfalt an Formen und Farben

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Leuchtende Schönheiten vor dem Fenster: Die Glasobjekte offenbaren ihre Farbenpracht besonders gut im Gegenlicht.

Auf der HNA-Marktseite haben sich schon vielerlei Sammlungen wiedergefunden: Bierkrüge, Puppen, Puppenstuben, alte Landmaschinen, Bauernmöbel und mehr.

Heute reiht sich Karlheinz Schmiedel aus Willingshain ein. Er sammelt außer antiken Webarbeiten und moderner Kunst Glas in vielfältigster Form. Schon in frühester Jugend, 1942, hatte er als Schuljunge eine Glashütte in Böhmen besucht und war erstaunt über die harte und schwere Kunst der Glasbläser. „Meister und Geselle müssen gut aufeinander eingespielt sein und sich jeder auf den Anderen verlassen können, damit nichts schief geht“, beschreibt er seine Eindrücke. Er sei tief beeindruckt gewesen. Ein kleines Glas bekam der junge Schmiedel damals geschenkt – nicht ahnend, dass er später einmal eine große Sammlung sein Eigen nennen würde. Er erlebte sogar mit, wie Kathedralglas hergestellt wurde.

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Glas: Vielfalt an Formen und Farben 

Anfang der 1960er-Jahre kam Schmiedel mit einem Glasbläser in Kontakt, der mit großer Geschicklichkeit Apparate für die Chemische Industrie herstellte. Bereitwillig fertigte er für den Sammler tropfenförmige gläserne Kugeln an, die mit Wasser gefüllt ins Fenster gehängt werden konnten. „In ihnen spiegelt sich die Umgebung, auf märchenhafte Weise kopfüber. Das gibt eine völlig neue Sicht auf die Umwelt“, verdeutlicht der Willingshainer.

In den letzten 25 Jahren seines Berufslebens wohnte Schmiedel nahe Köln, in Ichendorf – dem Sitz einer der berühmtesten deutschen Glashütten. Regelmäßige Besuche in deren Verkaufsräumen inspirierten ihn dazu, dass langsam aber stetig zunächst Gebrauchsgläser, dann aber auch vermehrt Kunstgläser den Hausschatz bereicherten. Das waren mundgeblasene Trinkgläser, zum Teil mit wunderbaren handgeschliffenen Ziselierungen, auch mit feinem Goldrand, Vasen, Kerzenhalter, Schalen und vieles mehr. Schmiedel konnte natürlich auch einen Blick in die Werkstätten werfen. Dabei erwarb er eine größere Zahl von Glasbrocken, die quasi als Abfall liegen blieben. Fasziniert von der Herstellung der Trinkgläser erklärt er: „Da Trinkgläser einer Serie immer die genau gleiche Form haben müssen, werden sie in hölzerne Model hineingeblasen, die aufgeklappt werden und das Werkstück freigeben. Auch solche Holzformen finden sich in meiner Sammlung.“ In Köln hatte man seinerzeit bei Ausgrabungen römische Gläser entdeckt.

Begehrte Sammlerobjekte

Die schönsten Funde, Vasen, Krüge, Amphoren aus wunderschön leuchtendem grünen Glas in vielen Schattierungen hat die Ichendorfer Glashütte nachgearbeitet. Sie sind inzwischen begehrte Sammlerobjekte, denn die Hütte schloss 1986. In Schmiedels Sammlung kann man aber noch andere Stücke bewundern, etwa Fenstercollagen aus Kathedralglas. Unweit von Ichendorf befand sich eine Glasfachschule mit einem Museum. Von dort stammt eine große Tafel aus unterschiedlich gefärbten und profilierten Glasscheiben, in Blei gefasst.

Der Sammler nahm zum Teil im wahrsten Sinne des Wortes eine schwere Bürde auf sich, um das Glas sicher nach Hause zu transportieren: Zum Jahreswechsel 1984/85 waren Schmiedels nach Malta geflogen, wo sie eine moderne Glashütte besuchten. „Mit fast fatalen Folgen. Denn die dort hergestellten „Paperweights“ aus vielfarbigen Glasstreifen waren von so verlockender Schönheit, dass beim Rückflug Übergewicht im Gepäck festgestellt und mit üppiger Zuzahlung geahndet wurde“, erinnert sich der Willingshainer. Umso wertvoller sind dem Sammler diese Stücke heute.

Höhepunkte der Sammlung sind handgefertigte Unikate des berühmten Glaskünstlers Pavel Molnar. Von besonderem Reiz ist zudem ein Bierseidel mit Jugendstilverzierungen – Tänzerinnen in orientalischen Kostümen.

Aus dem gleichen Opalglas kann man auch eine Tischleuchte bewundern. Karlheinz Schmiedel (85) möchte nun einzelne Teile seiner Sammlung an Liebhaber weitergeben, die sie gleichermaßen hegen und pflegen. (zsr)

Kontakt: Tel. 0 66 28 / 77 27 03

Quelle: HNA

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