49. Frühstückstreffen: Dr. Irmgard Leisenberg referierte vor 160 Frauen in Ziegenhain

Glück spürt, wer loslässt

Sich im Leben Ziele setzen: Diese und andere Ratschläge gab am Samstag Dr. Irmgard Leisenberg aus Bad Nauheim beim 49. Frühstückstreffen für Frauen in der Kulturhalle. Foto: Rose

Ziegenhain. Mit jedem Schritt vorwärts rückt der Regenbogen ein Stück weiter weg – diese These vertrat am Samstag die Ehe- und Lebensberaterin Dr. Irmgard Leisenberg beim 49. Frühstückstreffen in der Ziegenhainer Kulturhalle. 160 Frauen waren gekommen, um der Referentin zu lauschen. Die Zahnärztin im Ruhestand referierte zum Thema „Glück, flüchtig wie ein Regenbogen“.

Zunächst spürte Leisenberg der Frage nach, von was Glück eigentlich abhänge. Ist es der Lottogewinn, Erfolg oder Gesundheit? „Glück hat immer mit mir selbst zu tun. Unglückliche schauen mehr auf die Risiken als auf Chancen“, erklärte Leisenberg. Häufig schaue man auf das, was man gerade nicht habe. „Glückliche setzen sich Ziele und Werte fürs Leben.“ Sie achteten auf Beziehungen und pflegten sie.

Deutlich gestiegen sei das Bedürfnis nach Luxus: Erfülle sich dieser Wunsch, mache er Menschen zwar kurzfristig glücklich. „Aber alles, was wir als selbstverständlich ansehen, weckt wieder neue Bedürfnisse“, erklärte Leisenberg. Auch wenn materielle Bedürfnisse erfüllt seien, „so sind doch Beziehungen besonders für uns Frauen überlebensnotwendig“. Frauen fühlten sich in einer offenen Atmosphäre glücklich: „Sie wollen ihr Leben mit anderen teilen dürfen“, erklärte die Referentin. „Freunde sind Copiloten in der Lebensachterbahn.“ Glücklich mache Erfolg. Aber: „Wir leben in einer leistungsorientierten Welt und haben verinnerlicht, dass ich bin, was ich leiste.“

Der Psychoanalytiker Erich Fromm habe herausgefunden, dass jeder Mensch etwas brauche, wofür er lebt, für das er sich einsetzt, für das er sich hingibt. „Er spricht von einem Objekt, der totalen Hingabe. Dieses Objekt bestimmt dann sein Leben – er nennt es Religion.“ Aber die Selbstverwirklichung, wie sie der Psychologe Maslow beschreibe und wie sie viele Menschen heute praktizierten, scheine auch nicht glücklich zu machen. Denn diese Art von Selbstbezogenheit sei im Grunde die höchste Stufe einer Egozentrik.

„Glück stellt sich paradoxerweise dort ein, wo wir weder uns selbst noch unser Glück, sondern wo wir ein Ziel, eine Aufgabe oder einen Menschen im Blick haben“, sagte Leisenberg. Die Verwirklichung unseres Selbst geschiehe dann, wenn wir unser Selbst losließen. Diese bedingungslose Liebe, die in jedem Menschen als eine tiefe Sehnsucht verankert ist, sei die Sehnsucht nach dem Paradies. „Gott will unser Glück, er will, dass wir glücklich sind.“

Beziehung und Lebenssinn – beides werde von Gott in vollkommener Form angeboten. „Das Glück ist nicht außer uns und nicht in uns, sondern in Gott. Und wenn wir Gott gefunden haben, ist es überall.“

Quelle: HNA

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