Merim Yemam

Vom Glücklichwerden: Merim Yemam war auf der Flucht und kam nach Homberg

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Die zweite Chance genutzt: Merim Yemam floh mit 16 Jahren aus ihrem Heimatland Äthiopien und kam nach Homberg. 

Homberg. "Es gibt niemanden, der ohne Grund seine Heimat verlässt." Davon ist Merim Yemam überzeugt. Sie hatte einen Grund. Einen triftigen.

Das Reden darüber fällt ihr schwer. "Es tut richtig weh", sagt sie, und Tränen füllen die Augen der jungen Frau, die doch so gerne lacht. In Homberg entdeckte Merim Yemam die Freude am Leben auch Dank einiger Homberger. "Man hat mich nicht allein gelassen. Die Menschen sind echt nett zu mir. Darüber freue ich mich von Herzen." Jetzt lacht sie.

Merim Yemam war 16, als sie von Äthiopien nach Deutschland kam. Allein. "Ich wusste nicht, dass ich hier landen würde." Was sie aber wusste, war, dass sie die Chance auf ein besseres Leben haben würde. Die wollte sie nutzen. "Hier sitzen in den Dörfern keine Kinder nackt und krank am Straßenrand und betteln um Essen." Während sie spricht, starrt sie auf ihr blaues Armband und zupft daran. "Ich habe viel Leid erlebt." Es ist auch die quälende Erinnerung, die Merim Yemam stark gemacht hat.

Von Frankfurt kam sie direkt in ein Kinderheim nach Homberg. "Ich habe mich gefreut, dass ich in einem Heim leben durfte." Die Betreuer und die Mitarbeiter des Jugendamtes seien für sie da gewesen. "Sie haben auf mich aufgepasst, deshalb habe ich mich nicht so einsam gefühlt." Sie hat Deutsch gelernt. "Das war nicht leicht", sagt sie und lacht wieder. Und sie hat ihren Hauptschulabschluss in der Tasche. "Das habe ich geschafft", sagt sie und wieder lacht sie. Ein stolzes, zufriedenes Lachen. Mittlerweile steckt sie mitten in der Ausbildung zur Altenpflegehelferin.

Die Geborgenheit, die ihr das Kinderheim gab, musste sie mit 18 Jahren verlassen. "Ich lebe allein in einer Wohnung. Manchmal fühle ich mich wieder einsam", sagt die 21-Jährige. Dieses Gefühl quält sie. Wenn sie allein ist, sind sie plötzlich wieder da, die Gedanken an die Vergangenheit das schmerzt.

"Ich will nicht allein sein", sagt sie und schweigt. Kurz darauf lacht sie wieder, denn sie weiß, dass diese Momente nur kurz sind. "Ich habe hier Freunde und auch eine Familie gefunden." Wieder sind da Tränen, diesmal vor Glück: Über das Internet fand sie auf der Suche nach Anschluss eine Familie aus Homberg. Die half ihr dabei, noch besser Deutsch zu lernen und sich im Alltag zurechtzufinden. Wenn sie von dieser Familie erzählt, ist es ständig da, ihr Lachen. "Es ist gut hier." Die Menschen seien gut zu ihr. "Wir Flüchtlinge fühlen uns alleine und viele haben Schlimmes erlebt. Wenn wir die Sprache lernen, ist es leichter, freundliche Menschen zu finden." Man müsse einfach nur etwas für sein Glück tun.

In ihr Heimatland will sie irgendwann zurückkehren - als Touristin. "Mir wurde hier geholfen, und ich möchte den armen Kindern Äthiopiens helfen." Plötzlich ist es wieder verschwunden - ihr Lachen.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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