Wahrscheinlich gesundheitsschädlich

Umstrittenes Glyphosat: Wie viel im Kreis eingesetzt wird, ist unklar

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Auch im Kreis Kassel wird regelmäßig Glyphosat verwendet.

Kreis Kassel. Die EU-Kommission stimmt am Donnerstag darüber ab, ob die Zulassung für das Glyphosat um weitere neun Jahre verlängert werden soll. Doch wie stark wird das umstrittene Mittel eigentlich in der Region verwendet?

Um Unkraut auf den Feldern zu bekämpfen nutzen viele Landwirte Glyphosat- auch die im Kreis Kassel. Gegner des Unkrautvernichters argumentieren, das Mittel sei krebserregend. Ob es tatsächlich schädlich ist, steht nicht fest. Wie häufig das Mittel von den Landwirten im Kreis genutzt wird, stehe aber nicht fest. Der Einsatz von Pflanzenschutz muss weder angemeldet noch vermerkt werden, sagt Franziska Wollandt vom Kreisbauernverband. „Der Einsatz muss nur bei einer Hofkontrolle dokumentiert werden.“

Genutzt werde das Mittel aber vor allem vor der Aussaat wegen seiner zuverlässigen Wirkung gegen Unkraut. Zudem sei das Produkt lange auf dem Markt, sagt Wollandt.

Würde Glyphosat durch die EU-Kommission verboten, gäbe es kein vergleichbares Mittel zur Unkrautvernichtung mehr, Felder müssten mit Maschinen bearbeitet werden. „Landwirte müssten ihre Bewirtschaftungsweise umstellen und neue Maschinen kaufen. Wir sehen die Gefahr, dass das Höfesterben so noch schneller vorangetrieben wird“, sagt Wollandt.

Für Menschen und Tiere sei Glyphosat kaum giftig, weil die Mengen, die in der Landwirtschaft genutzt werden sehr gering seien, sagt Wollandt. „Es werden vermehrt Rückstände bei Menschen gefunden, weil sie jetzt messbar sind. Das bedeutet nicht, dass sie häufiger auftreten.“

Landwirte besitzen einen Sachkundenachweis, der sie dazu befähigt Pflanzenschutz auf ihren Feldern auszubringen. Alle drei Jahre müssen sie den Nachweis auffrischen und eine Fortbildung dazu besuchen. „Wenn Glyphosat richtig ausgebracht wird, ist es unbedenklich und keine Gefahr für Menschen“, erklärt Wollandt.

"Pflanzen werden vergiftet"

„Bei der Anwendung von Glyphosat werden Pflanzen vergiftet“, sagt Bauer Joachim Löber. Der Altenstädter ist seit 36 Jahren Bio-Bauer und hat das Mittel zur Unkrautvernichtung auf seinen Feldern noch nie eingesetzt. Deshalb ist er auch gegen eine Verlängerung der Zulassung für Glyphosat, über die die EU-Kommission heute abstimmen will.

Löber baut neben Weizen, Roggen und Hafer auch Klee an. Um das Unkraut auf seinen Feldern zu entfernen, nutzt er statt chemischer Mittel wie Glyphosat ausschließlich Maschinen. „Wir fahren über die Felder und kämmen das Unkraut aus der Erde.“ Auch kurz vor der Ernte bringe er seine Pflanzen mit Hilfe des Unkrautvernichters nicht zum Absterben. Dass seine Kartoffeln dann alle unterschiedlich groß sind, störe seine Kunden nicht, sagt Löber. „Die sind zufrieden damit.“

Erleichterung für die Ernte

Der Einsatz von Glyphosat sei zwar eine Erleichterung bei der Ernte, weil Kartoffeln beispielsweise nicht mehr weiter wachsen würden, bis sie aus der Erde geholt werden. „Von der EU sind bestimmte Größen verordnet, Bauern können krumme Kartoffeln nicht mehr verkaufen“, sagt Löber. Dennoch finde er es verwerflich den Reifeprozess von Nahrungsmitteln künstlich herzustellen.

„Ich glaube nicht, dass es keine Rückstände in der Nahrung gibt, wenn das Mittel kurz vor der Ernte eingesetzt wird“, erzählt der Bio-Bauer. Denn Stroh, das mit Glyphosat behandelt wurde, dürfe nicht verfüttert werden. „Aber die Körner aus dem Getreide gehen direkt in die Mühle.“

Der Bio-Bauer glaubt nicht an Acker, die völlig frei von Unkraut sein können. Wenn diese Pflanzen auf den Feldern vernichtet werden, würden Nahrungsquellen für Insekten fehlen. Diese Gewächse seien eine organische Masse, die für Würmer und Bakterien benötigt würden. „Die Insekten brauchen Futter und müssen von etwas leben. Das kann ich doch nicht vergiften.“

Nahrungsquelle für Insekten

Neben einer Nahrungsquelle für Insekten erhalte das Unkraut die Bodenfruchtbarkeit auf den Feldern. Löber besitzt Felder mit etwa 70 Hektar Fläche und baut deshalb extra Gräser und Klee an, die als Kunstdünger wirken. „Klee produziert Stickstoff. Der ist wichtig, weil er den Boden versorgt“, erklärt der Bio-Bauer. Außerdem würde der Humusgehalt im Boden angehoben und viel nützliche Wurzelmasse gebildet.

Quelle: HNA

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