Show und Festversammlung: Gemeinde feiert am Wochenende Geburtstag

Ein Gotteshaus wird 50

Einweihung im September 1960: Die Gemeinde mit Pastor Wolfgang Müller. Auf dem rechten Foto zeigt Chronist Manfred Hattenhauer die Festschrift zum Jubiläum. Foto: 1 privat/1 Rose

Treysa. Die Geschichte der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde begann eigentlich vor fast 100 Jahren in der Treysaer Wagnergasse: Marinesoldat Hans Harle, der im Norden eine Baptistengemeinde kennengelernt hatte, kehrte aus Bremerhaven in die Schwalm zurück. Hier bemühte er sich um einen Versammlungsort für gleichgesinnte Gläubige. Gefeiert wird dieses Wochenende der Bau des Gemeindehauses vor 50 Jahren. Die selbständige Christuskirche besteht seit 40 Jahren.

Zum Geburtstag hat Manfred Hattenhauer eine Chronik verfasst. Auf 60 Seiten zeichnen Urkunden, Briefe, Protokolle und Fotos die Geschichte der Schwälmer Baptisten nach. „Anfangs gab es in normalen Häusern die Stubenversammlungen“, erklärt der Chronist. Da diese Versammlungen aber den Eindruck privater Zirkel erweckten, „trägt sich Bruder Harle 1932 mit der Absicht, einen Versammlungsraum in einen Schuppen einbauen zu lassen“. Während des Nazi-Regimes waren Baptistengemeinden verboten. Nach Kriegsende kamen Baptisten aus dem Osten nach Treysa und schlossen sich der Gemeinde an.

Bei Harles wurde es zu eng: Die Gläubigen bezogen einen Raum im Hospital. 1951 beriet die Brüderversammlung über den Kauf und Umbau der „Alten Judenschule“ im Neuen Weg. Der Plan scheiterte am Geld und an der Grundstücksgröße. 1956 erwarb die Gemeinde ein Grundstück in der Ascheröder Straße, unmittelbar neben der Schule, um eine eigene Kirche zu bauen, doch der Kreis drängte 1959 auf das Grundstück, um die Schule zu erweitern.

Von der Stadt kaufte die Gemeinde im selben Jahr das Eckgrundstück Schuchardstraße/Sachsenhäuser Straße. „Damals gab es ein Standardprogramm für den Kapellenbau – das war kostengünstig. Dinge wie Isolierung spielten leider keine Rolle“, so Hattenhauer.

Im September 1960 feierte man Einweihung. Vormals der Baptistengemeinde Kassel-Möncheberg unterstellt, wurde die Gemeinde 1970 selbständig. Der zweckmäßige Bau wurde 1989 um einen Anbau erweitert, 1992 die Kapelle umfassend saniert.

Heute hat die Gemeinde 60 Mitglieder, ihre Zahl sinkt, der Altersdurchschnitt steigt: „Wie in anderen kleinen Gemeinden Nordhessens auch“, sagt Hattenhauer. Gegenüber der Freikirche gebe es keine Vorbehalte mehr. Bei regelmäßigen ökumenischen Treffen sind die Baptisten mit evangelischen und katholischen Gläubigen im Gespräch. Das Einzugsgebiet der Gemeinde reicht über die Schwalm hinaus – bis nach Neukirchen und Homberg.

HINTERGRUND/PROGRAMM

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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