In der JVA Schwalmstadt legten Häftlinge ihre Gesellenprüfung zum Koch ab

Gourmets hinter Gittern

Prüfungsstress: Häftling Angelo T. (rechts) ist kurz vor Prüfungsbeginn zwar fast fertig, aber JVA-Küchenchef und Ausbilder Gerd Conradi (links) packt nochmal mit an, wo Hilfe benötigt wird. Fotos: Nickoll

Ziegenhain. In der Ausbildungsküche des Ziegenhainer Gefängnisses herrschte angespanntes Treiben: Töpfe und Besteck klapperten und Essensdampf waberte durch den Raum. „Es fühlt sich an wie bei einem DFB-Pokalspiel: Alles kann passieren“, sagte Küchenleiter Gerd Conradi. Häftlinge der JVA Schwalmstadt absolvierten in dieser Woche die Prüfung der Koch-Umschulung.

Angelo T. bereitete ein dreigängiges Menü vor. Der Schweiß stand ihm auf der Stirn. Es gab Wildkraftbrühe mit Klößchen und Croutons, danach Wildragout mit hausgemachten Tortellini und Rosenkohl mit Sahnesoße, zum Dessert: Apfel-Birnen-Strudel mit Schmand und Rotweinspiegel. Nur vier Stunden, von 8 bis 12 Uhr, hatte er Zeit, das Menü unter den Augen zweier Prüfer des Prüfungsausschusses der IHK Kassel zuzubereiten. Insgesamt mussten alle fünf Prüflinge, jeweils sechs Portionen von jedem Gang zubereiten. Fünf von zehn Häftlingen hatten die Umschulung zum Koch bereits einen Tag vorher bestanden. Sie sind das 26. Ausbildungsjahr an der JVA.

Die zweijährige Umschulung wird vom Berufsfortbildungswerk (bfw) im Auftrag des Hessischen Justizministeriums angeboten. Die Wirtschafts- und Investitionsbank Hessen sowie der Europäischen Sozialfonds fördern sie. Deren Vertreter waren als Gäste eingeladen.

Einheitlich waren bei allen Prüflingen die Grundzutaten für die drei Gänge. Zusätzlich konnten sie aus einer Vielzahl weiterer Zutaten auswählen. Die Zutatenliste gab es bereits bei der schriftlichen Prüfung Ende November. Für das Üben der Gerichte hatten sie vier Wochen Zeit.

Vor Beginn der Prüfung hat jeder der verurteilten Straftäter einen Kasten mit Küchengeräten bekommen. „Wenn ein Tafelmesser fehlen würde beim Abzählen am Abend, würde hier nichts mehr gehen“, sagt JVA-Mitarbeiter Peter Hill. Doch weder seien bisher Messer geklaut worden, noch habe es Konflikte mit Gästen gegeben.

Das Wichtigste ist aus Sicht der JVA-Mitarbeiter: Bei vielen falle der Groschen während der Ausbildung. „Für viele ist es die erste Ausbildung und gleichzeitig die letzte Chance“, Jörn Röckensüß, Dozent für die Fachtheorie, die auch zur Ausbildung gehört.

Von Nina Nickoll

Quelle: HNA

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