Körle erwägt kürzere Nutzungszeit

Die Grabpflege wird häufig vernachlässigt

Schwalm-Eder. Zugewucherte Gräber sind vielerorts im Schwalm-Eder-Kreis ein Ärgernis. Vielen Menschen fehlt die Zeit, um ein Grab jahrzehntelang zu pflegen.

Als erste Gemeinde im Landkreis erwägt Körle jetzt, die Grabnutzungszeit zu reduzieren. Andere Kommunen sehen das kritisch. Denkbar wäre es, so Körles Bürgermeister Mario Gerhold, ein Grab bereits nach 20 Jahren einzuebnen. Die Ruhefrist bliebe davon unberührt: Erst nach 30 Jahren könnte wieder jemand darin bestattet werden. Der Gemeindevorstand soll einen Entwurf zur Änderung der Friedhofssatzung vorlegen. Ob eine kürzere Nutzungszeit sinnvoll sei, müsse man aber noch prüfen, sagt der Bürgermeister. Denn auch ein eingeebnetes Grab muss gemäht werden, es entstehen der Gemeinde Kosten, die sonst die Grabnutzer getragen hätten. „Um diese Kosten zu decken, müsste man die Friedhofsgebühren erhöhen“, sagt er.

Verwahrloste Gräber kennt man auch in anderen Kommunen: In Homberg, berichtet Ordnungsamtsleiter Helmut Wagner, werde häufig der Wunsch nach einer vorzeitigen Einebnung geäußert. Doch den Vorschlag aus Körle sieht er skeptisch: „Der Pflegeaufwand für die Friedhöfe würde so größer“, fürchtet er. „Dass die Nutzungszeit kürzer als die Ruhezeit ist, kann nicht funktionieren“, glaubt auch Otto Günther vom Melsunger Standesamt. In Schwalmstadt werde eine kürzere Nutzungszeit ebenfalls nicht in Erwägung gezogen, sagt Dirk Herter von der Friedhofsverwaltung.

Ihm sei keine Kommune bekannt, in der die Grabnutzung kürzer sei als die Ruhezeit, sagt der Friedhofsplaner Klaus Güß. Bedenken äußert Johannes Diefenbach, Experte für Friedhofsrecht: „Ich würde das nicht empfehlen“, sagt er. Zumal man eine Ausnahmeregelung für jene treffen müsste, die ein Grab länger als Erinnerungsstätte wahren möchten.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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