Steinmetze setzen auf heimische Materialien

Grabsteine sollten nicht einfach nur billig sein

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Schwalm-Eder. Bis zu 100.000 Kinder sollen in Indien in Steinbrüchen arbeiten – unter anderem für Grabsteine, die in Deutschland billig verkauft werden. Das Thema Grabsteine aus Kinderarbeit wird auch von den Mitgliedern der Steinmetz- und Bildhauer-Innung Hessen-Nord diskutiert, erklärt Obermeister Jochen Bollerhey aus Schauenburg-Breitenbach.

Nach Schätzung des Naturwerkstein-Verbandes kommen bis zu 50 Prozent der Grabsteine auf unseren Friedhöfen aus Indien. Es sei aber nicht richtig, dass alle indischen Grabsteine unter bedenklichen Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Das unterstreicht auch Steinmetz Bollerhey. Er geht davon aus, dass Kinder in Steinbrüchen nicht an der Gewinnung von großen Steinblöcken für Grabsteine beteiligt sein können. Für möglich hält er es aber, dass sie kleinformatigere Arbeiten für den heimischen Markt herstellen.

In der Steinmetz- und Bildhauer-Innung Hessen-Nord werden für Grabmale überwiegend Materialien aus heimischer Produktion verwand. Davon geht der Obermeister aus. Das sieht auch sein Stellvertreter Holger Ritter aus Neukirchen so. Viele Kunden legen inzwischen Wert darauf, dass nur Materialien verwendet werden, die nachweislich aus fairem Handel stammen und ohne ausbeuterische Kinderarbeit hergestellt worden sind, sagt Ritter.

Eine entsprechende Zertifizierung sei ein möglicher Umgang, sagt auch Joachim Heger vom Hessischen Städte- und Gemeindebund. Aus juristischer Sicht umstritten sei es derzeit in Hessen, per kommunaler Satzung Grabsteine aus Kinderarbeit auf Friedhöfen zu verbieten, erklärt der Rechtsreferent des Verbandes. Denn ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts hatte erst jüngst in Nürnberg das Verbot von Grabsteinen aus Kinderarbeit gekippt.

Aktuell bleibe hessischen Kommunen somit nur die Möglichkeit, in so genannten „Programmsätzen“ eine Empfehlung abzugeben, sagt Heger. Hintergrund, Zum Tage

Quelle: HNA

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