Von Gräben umschlossen

475-Jahr-Feier der Festung: Heinz Stübing erläutert Festungsmodell im Museum 

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Bis heute einzigartig: Die Wasserfestung in Ziegenhain ist die bis heute einzige noch erhaltene. Das Modell im Museum der Schwalm zeigt eindrucksvoll, wie die Anlage 1761 aussah und gibt Einblick in die Baukunst und die Wassertechnik.

Ziegenhain. Im Dreißigjährigen Krieg galt sie als uneinnehmbar, sie widerstand allen Belagerungen - die Wasserfestung in Ziegenhain. Nicht umsonst entstand das Sprichwort „so fest wie Ziegenhain“.

Die logistische und baukunstliche Meisterleistung wurde damals unter Landgraf Philipp vorangetrieben. Besonders eindrucksvoll lässt sich die Anlage anhand eines Modells im Ziegenhainer Museum der Schwalm erklären. Heinz Stübing wird den Besuchern des Festungsjubiläums Rede und Antwort stehen.

Heinz Stübing

Das Modell zeigt die Festung um das Jahr 1761. Zugrunde liegen dem Nachbau Zeichnungen des Festungsbauingenieurs Leopold. Ursprünglich war die Festung als Rundburg angelegt worden, dessen Mauerreste heute noch erhalten sind. „Etwa um 1000 wurde der erste Teil des Schlosses erbaut“, erklärt Stübing. Im 18. Jahrhundert war die Festung Garnisonsstadt. Bernd Völkler vom Arbeitskreis Festung erläutert, dass etwa 1000 Mann Besatzung und 500 Bürger in der Festung lebten. In den Zeughäusern seien damals die Waffenschmieden untergebracht gewesen. Der vormals 40 Meter breite Wallgraben sei von Napoleon zum Teil zugeworfen worden, verdeutlichen die Experten. Durch die Enge in der Festung war es etwa nicht möglich, dort einen Friedhof anzulegen. Beerdigt wurden sie in Niedergrenzebach.

Mühle versorgte die Anlage 

Als besonders diffizil beschreibt Heinz Stübing die Wassertechnik, gespeist von einem Altarm und einem neu gegrabenen Arm der Schwalm. Schon damals habe es eine Schleuse gegeben. Wichtig war auch die Mühle, die bis heute existiert. In ihr seien zusätzlich eine Schneide- und eine Schlagmühle untergebracht gewesen. Die Anlage versorgte die Brunnen in der Festung mit Wasser. Als Besonderheit stuft der Ziegenhainer auch die Konstruktion der Zugbrücke mit seiner Winkelung ein. „Wenn die Feinde von dort schossen, blieben die Kugeln zunächst im Erdwall stecken.“

Um die Sicherheit der Festung zu gewährleisten, habe ein strenges Regiment geherrscht, erklärt Völker. Der Platzmajor habe eine Tagesparole ausgegeben, die bei der Rückkehr in die Festung abgefragt wurde. Den Dienern von Besuchern der Festung wurde der Zutritt gar ganz verwehrt. Tags wie nachts patrouillierten auf dem Wall Streifen, im Winter wurde eigens ein hölzerner Eisbrecher eingesetzt, um den Wallgraben eisfrei zu halten. Mehr über das Modell ist am 11. Mai ganztägig im Museum der Schwalm zu erfahren.

• Sonntag, 11. Mai, stehender Festzug im Bereich Paradeplatz anlässlich 475 Jahre Ziegenhainer Wasserfestung

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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