Fotos, Berichte, Feldpostbriefe

So grausam war der Erste Weltkrieg: Ausstellung im Felsberger Stadtarchiv

Felsberg. Es sind erschütternde Bilder, die das Stadtarchiv Felsberg am Sonntag, 26. Januar zeigt: Sie dokumentieren die Schrecken des Ersten Weltkriegs. Eines der Schicksale ist das von Valentin Weidemann. Er hat den Ersten Weltkrieg überlebt - doch vergessen hat er ihn nie.

„Er hat seelisch schwer gelitten”, sagt seine Tochter Sigrid Laabs (70). Weidemann, der 1971 starb, erlebte als Unteroffizier in Feldlazaretten an der Ost- und Westfront, wie ungezählte Verwundete leiden und auch sterben mussten. Was er sah, hielt er mit der Kamera fest. Diese und viele andere Dokumente aus der Zeit des Ersten Weltkriegs sind am Sonntag, 26. Januar, ab 14 Uhr im Stadtarchiv in Gensungen zu sehen.

Der Erste Weltkrieg 100 Jahre nach Beginn - das ist das Thema des Tages der offenen Tür im Stadtarchiv. Tote in Schützengräben, Schwerstverletzte auf den Schlachtfeldern, Menschen auf der Flucht - „all die Fotos haben uns unheimlich berührt”, sagen Kornelia Dittmar und Inge Fleischhut-Wolf vom Stadtarchiv. „So erschütternd die Fotos auch sind - wir werden sie ausstellen.”

Viele Familien stellten Fotos, Berichte, Feldpostbriefe, Postkarten und Unterlagen des 1877 gegründeten Kriegervereins Felsberg zur Verfügung. Familien, die ihren Vater oder Sohn in den Krieg verabschieden, Mütter, die die Hände falten, denen auf den Fotos die Angst anzumerken ist - es sind beeindruckende Dokumente. Andere Bilder zeigen die Hilfe im Lazarett Parkhotel Gensungen oder die Versorgung Verwundeter im Lazarett Dr. Nikolai, heute die Praxis der Arzt-Familie Dr. Prinz.

Sigrid Laabs sagt beim Blick auf das Foto ihres Vaters, das ihn 1918 zeigt: „Man sieht, wie ausgezehrt er ist. Der Krieg hat ihn zum überzeugten Pazifisten gemacht - nie wieder Krieg war sein Grundsatz.”

Weidemann war bis 1951 Hauptlehrer in Wabern, zog 1956 mit seiner Familie auf den Bessenhof in Felsberg. Der Vater von vier Kindern hatte schon bei Kriegsbeginn Glück: Der Reserve-Unteroffizier des Kasseler Infanterie-Regiments 167 wurde als Schreiber einem Feldlazarett zugeteilt. Er musste nicht aktiv kämpfen, „hat aber die grausamen Folgen der großen Materialschlachten kennengelernt und unsagbares menschliches Leiden gesehen”. So steht es in der Familienchronik.

Der Erste Weltkrieg - Ausstellung im Stadtarchiv Felsberg

Die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf Felsberg, Gensungen und die Region will das Team des Stadtarchivs zeigen. Die Soldaten hingen an ihrer Heimat und wollten gesund wieder heim - so beschreibt Stadtarchiv-Mitarbeiterin Kornelia Dittmar das, was in vielen Feldpostbriefen steht. „Erschütternd ist, wie viele nicht mehr heimkehrten.” Aus dem heutigen Gebiet der Stadt Felsberg sind 285 Männer im Ersten Weltkrieg gefallen. „Vergiss sie nicht” - das steht auf dem Felsberger Ehrenmal über den Namen der Gefallenen.

Von Manfred Schaake

Quelle: HNA

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