Vorfahren der berühmten Märchensammler stammen aus Weißenborn – vor 25 Jahren entdeckte ein Lehrer die Herkunft

Grimms kommen aus der Lindenstraße

Früher und heute: Das Haus in dem Ur- un d Großvater der Grimms aufwuchsen, ist kaum mehr wiederzuerkennen. Kurt Dülsner vom Verein Universi Villani bietet geschichtliche Führungen, auch am Haus in der Lindenstraße, in Weißenborn an. Fotos: Ludwig, Archiv

Weißenborn. Der Lehrer Kurt Müller stöberte für Weißenborn einen kulturhistorischen Schatz auf. Als der inzwischen verstorbene Oberaulaer vor 25 Jahren im Grimm-Museum in Steinau (bei Hanau) forschte, fiel ihm in einer Familienbibel ein merkwürdiges Lesezeichen in die Hände.

Darauf stand eine Notiz von Wilhelm Grimm, die belegt, dass der Urgroßvater und der Großvater der Grimms aus dem Ottrauer Örtchen stammen. Genauer gesagt, aus der dortigen Lindenstraße.

25 Jahre später gehört das Geburtshaus der Grimmschen Vorfahren fest zum Programm der touristischen Führungen des Vereins Universi Villani Weißenborn. Die einstige Fachwerkarchitektur des Gebäudes ist in großen Teilen Stein und Putz gewichen. „Das ist bedauerlich“, sagt Kurt Dülsner von Universi Villani. Aber als das Haus umgebaut wurde, sei von dessen bedeutender Geschichte noch nichts bekannt gewesen. „Sonst wäre es sicher aufwändig restauriert worden.“

In dem so genannten Wiederholdschen Haus war am 12. Februar 1709 Johann Hermann Zimmer geboren worden – Grimms Großvater mütterlicherseits. Bereits dessen Vater, Adam-Heinrich Zimmer, stammte aus dem Bauernhaus an der Weißenbörner Lindenstraße. Der Urgroßvater der Märchensammler war am 5. Januar 1680 dort zur Welt gekommen. Er heiratete die Schuldienertochter Margarethe Frank aus Immichenhain und lebte bis zu seinem Tod 1753 in Weißenborn.

Umzug nach Hanau

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Dessen Sohn, Johann Hermann Zimmer, der Großvater der Grimms, wuchs in Weißenborn auf. Wieviele Jahre er dort genau verbrachte, bevor er nach Kassel ging, wo er später als Kanzleirat arbeitete, ist nicht überliefert. Im Jahr 1740 heiratete er Anna Elisabeth Boppo aus Kassel und bekam mit ihr 1755 eine Tochter: Dorothea Zimmer. Die Familie zog von Nordhessen nach Hanau, wo der Vater weiter als Kanzleirat arbeitete.

„Der Weißenborner Großvater übernahm für zwei Jahre die Obhut von Jacob und Wilhelm Grimm.“

Tochter Dorothea lernte später den Juristen und Amtmann Philipp Wilhelm Grimm aus Steinau kennen, heiratete diesen 1783 und bekam mit ihm neun Kinder – unter anderem die berühmten Söhne Jacob und Wilhelm. „Als sie elf und neun Jahre alt waren, starb ihr Vater Phillip Wilhelm. Der Weißenborner Großvater übernahm für zwei Jahre die Obhut von Jacob und Wilhelm“, erzählt Dülsner. Dann sei auch dieser 89-jährig (1798) in Hanau gestorben.

Führungen am Ahnhaus

Vielen Menschen aus der Region sei nicht bekannt, dass die Grimms familiäre Wurzeln in Weißenborn hätten, sagt Dülsner. Er selbst arbeitet als touristischer Führer und schlüpft dafür in zeitgenössische Kleidung. Führungen könnten bei der Gemeinde Ottrau oder direkt beim Verein Universi Villani gebucht werden. Hintergrund

Führungen: Gemeinde Ottrau, Tel.: 06639/ 9 60 90; Kontakt zu Universi Villani: www. uvw-weissenborn.de

Quelle: HNA

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