Anwohnerin ist beunruhigt

Großbaustelle in Homberg: Seit dem Baustart Risse im Haus

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Blick weicht nicht von Baustelle: Liesel Danzer wollte nicht in die Kamera schauen. Die Großbaustelle gleich hinter ihrem Haus ärgert sie, noch mehr aber die Entscheidung der Stadtverordneten.

Homberg. Die Hombergerin Liesel ist beunruhigt. Direkt hinter ihrem Haus im Sudetenweg wird seit Monaten gebaut. Dort sollen ein großer Baumarkt und ein Getränkemarkt entstehen sollen.

Immer mehr Sorge bereiten ihr die Risse, die seit Beginn der Bauarbeiten an ihrem Haus entstanden sind. Die Treppen im Flur und vor der Haustür haben sich gesenkt.

Das sei auch an Häusern in ihrer Nachbarschaft so, sagt sie beim Gang durch ihr Haus. Dabei zeigt sie auf die mal ganz feinen Risse in der Küche und dann auf die etwas breiteren im Flur. „Die sind alle neu, aber an wen wenden wir uns? An die Stadt?“, fragt sie. Die Antwort gibt sie sich gleich selbst: „Die nehmen uns Anwohner doch nicht ernst.“

Diese Überzeugung hat Liesel Danzer seit sie an die Stadt geschrieben hat. Seit sie und ihre Nachbarn sich gegen viele der Schneider-Pläne ausgesprochen haben. „Wir wurden abgekanzelt. Man hat und frech und nicht plausibel geantwortet“, sagt die Diplom-Geologin.

Wilhelm Schneider will an der Nordumgehung nun das umsetzen, was er schon seit 2005 auf dem Gelände vor hatte. Zuletzt hatte Schneider im Gespräch mit unserer Zeitung gesagt, er wolle zwar keinen Streit, vermutet aber, dass es zu weiteren Beschwerden kommen könnte, wenn der Rohbau des Baumarktes stehe. „Das ist schon ein wuchtiges und großes Gebäude“, nannte er den Grund dafür und betonte zugleich, dass er nur nach Recht und Gesetz baue. Das Gelände ist rund 28 000 Quadratmeter groß, das entspricht etwa vier Fußballfeldern.

Beunruhigende Aussage

„Als direkte Anwohnerin finde ich diese Aussage sehr beunruhigend, denn Schneider hat sich bis jetzt an keine der im Bebauungsplan festgesetzten Regeln gehalten. Und die Stadtverordneten haben mehrheitlich immer wieder klein beigegeben, wenn Schneider etwas wollte“, sagt sie und ärgert sich darüber. „Uns Anliegern bleibt nur zu hoffen, dass die Untere Bauaufsichtsbehörde des Schwalm-Eder-Kreises die erlaubten Gebäudehöhen überprüft und gegebenenfalls auch entsprechende Gegenmaßnahmen ergreift“, sagt sie.

Schneider habe es geschafft, dass er die ursprünglich geplante Gebäudehöhe nun um einen Meter erhöhen dürfe (wir berichteten). Das genehmigten ihm die Homberger Stadtverordneten mit knapper Merheit Anfang Juni.

Für Liesel Danzer hat das Folgen: Es könnte bedeuten, dass die Gebäude zwei Meter höher sind als ihr Gartengrundstück. Dann würde sie vor eine große Mauer blicken. Dann wäre es vorbei mit der schönen Fernsicht nach Berge, Hebel, Wabern und Fritzlar.

Keinen Anspruch

Dass sie darauf keinen Anspruch hat, ist ihr klar. „Doch haben wir den darauf, dass die Stadtverordneten in unserem Interesse und nicht in dem des Investors handeln“, sagt sie. „Die Stadt hat doch die Planungshoheit und lässt sich alles aus der Hand nehmen.“

Denn die Stadtverordneten sprachen sich auch dafür aus, dass auf dem ehemaligen Acker nun auch ein Elektromarkt, ein Restaurant, eine Tankstelle und ein Tiernahrungsgeschäft zugelassen sind. Ob Schneider die aber tatsächlich bauen darf, muss erst noch der Landkreis entscheiden. Dass Schneider so viele Freiheiten eingeräumt wurden, wo doch bei normale Häuslebauern auf jeden Zentimeter geschaut werde, damit könne sie sich einfach nicht abfinden.

„Schäden umgehend melden“

Sollten Risse an den Häusern aufgetreten sein, empfiehlt Nils Arndt vom Homberger Bauamt den Anliegern, sich umgehend an den Bauherren Wilhelm Schneider zu wenden. Da es sich um ein privates Bauprojekt handele, sei er Ansprechpartner.

Die Anwohner könnten sich aber auch bei der Stadt melden, die dann die Beschwerden an Schneider weiterleite, sagt Arndt. Wichtig sei es aber in jedem Fall, die Schäden schnellstmöglich zu melden. Gegebenenfalls müssten die Betroffenen auch einen Gutachter einschalten. Bauarbeiten könnten grundsätzlich Auswirkungen auf das Umfeld haben. „Das kann man nicht ausschließen“, sagt Arndt.

Das Verfahren sei nach dem Baugesetzbuch abgewickelt und entschieden worden, so Heinz Ziegler vom Bauamt. Bei dem Areal an der Nordumgehung handele es sich um ein Sondergebiet Einzelhandel. Die Bauleitplanung gibt den Rahmen vor. Von der Kreisverwaltung habe der Bauherr bislang die Genehmigung für einen Baumarkt und einen Getränkemarkt.

Die Stadtverordneten hatten zudem ihre Zustimmung für einen Elektromarkt mit aufgesetzter Gastronomie, eine Tankstelle und einen Tierfutterhandel gegeben, erklärt Ziegler.

Doch dafür habe Schneider noch nicht die abschließende Genehmigung, darüber entscheide der Kreis. Der Sudetenweg selbst sei seit 1968 ein Kleinsiedlungsgebiet.

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Quelle: HNA

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