Mercedes 219: Im Großen Ponton der König der Landstraße

Herrschaftlich: Die Sessel haben Wohnzimmerqualität, das Schiebedach ist riesig und das Lenkrad ein Schmuckstück.

Elbenberg. Heinz-Dieter Niebert aus Elbenberg hat aus einem verrosteten Mercedes 219 wieder ein Schmuckstück gemacht. Wir haben uns das Auto angesehen:

Die Tür schließt mit einem soliden Klack. Heinz-Dieter Niebert hat auf dem luxuriös gepolsterten Fahrersitz seines Mercedes 219 Platz genommen - das große Lenkrad mit dem silbernen Stern in der Mitte vor sich, und nachdem er das riesige Schiebedach geöffnet hat, den blauen Himmel über sich. Der Elbenberger lässt den Motor an, der Sechszylinder schnurrt sonor und setzt das 1,3 Tonnen schwere Gefährt in Bewegung.

Hingucker: Sein mächtiger Kühlergrill und die runden Formen der Karosserie prägen die Optik des Mercedes 219. Heinz-Dieter Niebert (68) genießt den Blick aus dem Schiebedach.

Bis hierher war es ein langer Weg. Niebert erinnert sich noch gut daran, wie er seinen 1957 gebauten „Großen Ponton“, wiedas Modell auch genannt wird, vor fast 40 Jahren aus einer Wellblechgarage in der Nähe der Weserspitze in Kassel holte und ihn erstmal in einer trockenen Scheune unterstellte. Jede Menge Rost hatte das gute Stück, aber die Substanz war noch brauchbar. Er hatte keinen Zweifel, dass er das gute Stück, das 1957 von einem Arzt aus Bad Nauheim gekauft worden war, wieder zu altem Glanz verhelfen würde. Schließlich hatte er genau an diesen Autos in den 50er-Jahren seine Automechaniker-Lehre absolviert und auch später als Geselle oft genug geschraubt.

Komplett zerlegt 

Als erstes nahm er den alten Mercedes komplett auseinander. Dann war ein paar Jahre Pause. In Etappen beschäftigte sich Niebert, der 1990 von Mercedes ins Baunataler VW-Werk wechselte, immer wieder mit dem 219, aber mit Elan ging er erst vor acht Jahren als frischgebackener Rentner ans Werk. „Mit 60 habe ich Gas gegeben, damit ich mal fertig werde“, erinnert er sich.

Die Karosserie wurde sandgestrahlt, neues Blech eingesetzt, geschweißt, gespachtelt, geschliffen. Der erste Ausflug: Auf einem Anhänger in die Lackiererei. Dort gab es das original Mercedes-Schwarz aufs Blechkleid. Und weiter: Ersatzteile im Internet aufgespürt. Die Chromteile aufgefrischt. Ein neuer Himmel eingepasst. Stück für Stück setzte Niebert den Ponton zusammen. Am Motor musste er nur Dichtungen erneuern und die Ventile einstellen.

Im Sommer vergangenen Jahres stand der Wagen wieder auf eigenen Rädern. Was noch fehlte zum Glück: der Segen des TÜV. Und den, erinnert sich Heinz-Dieter Niebert, bekam sein blitzendes Schmuckstück, das er nach all der Arbeit als unverkäuflich bezeichnet, anstandslos.

Die erste Tour unternahm Niebert gemeinsam mit seiner Frau zur Grauen Katze, einem Ausflugslokal bei Kassel. Kleine Jungs am Straßenrand winkten, entgegenkommende Autofahrer grüßten mit Lichthupe. Der 219, sagt Niebert, ist sein Auto für Vergnügungsfahrten. „Das Schönste für mich ist das Schiebedach“, schwärmt der Elbenberger, der längst ein gefragter Ratgeber für Besitzer alter Mercedes-Fahrzeuge ist. „Wenn ich das Schiebedach aufmache, fühle ich mich wie der König der Landstraße.“ Genauso genießt er den Klang seines Wagens - das Geräusch beim Schließen der Tür, das entspannte Schnurren des Triebwerkes.

Quelle: HNA

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