Großputz am Waschplatz

Spangenberger versetzen Wäscheborn und Ritualbad in würdigen Zustand

Waschtag: Das Foto zeigt eine Aufnahme von einem Waschtag aus dem Jahr 1925. Foto: Brandau

Spangenberg. Es war ein Zufall, dass Werner Bechtel und Karlheinz Brede auf die Idee kamen, den Spangenberger Wäscheborn und das jüdische Ritualbad herzurichten. Die beiden Spangenberger hatten beim Abriss des Junkerhauses in der Innenstadt überlegt, welche verborgenen Schätze die Stadt noch aufweist.

Dabei kamen sie auf den Wäscheborn, jenen Ort, an dem früher alle Frauen der Stadt - sowohl christliche als auch jüdische - zum Waschen zusammenkamen. Und an dem die Jüdinnen gleich daneben ins rituelle Bad stiegen.

Dieser Platz war verwildert und schon fast aus dem Bewusstsein der Spangenberger gefallen. Kein Wunder, denn das große, von Sandsteinblöcken umfasste Becken zum Wäschewaschen war mit Schilf, Schlamm und Schmodder gefüllt, die unmittelbar daneben gelegene Mikwe stark vermüllt - statt Idylle herrschte dort Misere.

Werner Bechtel und Karlheinz Brede wollten das ändern, begeisterten auch Jörg Lange und Inge Dressler für die Idee. Zu viert griffen sie vor kurzem zu Besen, Schippe, Kärcher und gingen das Projekt an, von dem nun schon bald viele profitieren sollen: Einwohner, Wanderer, Historiker, Romantiker.

Denn der an der Pfieffe gelegene Platz ist schlicht viel zu schön, um ihn weiter unbeachtet und ungenutzt zu lassen. Dort, wo früher Generationen von Frauen einen echten Knochenjob leisteten, in dem sie bergeweise Wäsche wuschen, schrubbten, bleichten, wo auch ohne Probleme und ganz selbstverständlich Frauen jüdischen Glaubens das Ritualbad nahmen, dort soll nun ein Platz entstehen, an dem sich Einwohner treffen und Wanderer sich ausruhen können.

Denn Wäscheborn und Mikwe liegen direkt an der Kreuzung zum Ars-Natura-Kunstwanderweg X3.

Dieser Platz war früher ein echter Treffpunkt: Am Spangenberger Wäscheborn wuschen alle Frauen die Wäsche. Das Foto zeigt Karlheinz Brede und Jörg Lange beim Schrubben des Wäscheborns. Foto: Bechtel

Vielleicht, so sagt Karlheinz Brede, könnte das Projekt sogar Teil einer Rundreise werden, die zu den ehemaligen jüdischen Kulturgütern in der Region führt: zu Synagogen, Friedhöfen, Mikwen. Die Gruppe hat bereits einen Förderantrag bei der Region Mittleres Fuldatal gestellt.

Außerdem hat Werner Bechtel bereits Kontakt mit der Denkmalschutzbehörde aufgenommen, um die historische Wertigkeit der Mikwe feststellen zu lassen. „Es gibt keine Fakten, keine Unterlagen, nur Mutmaßungen darüber, wann das Haus entstand.“

Das Haus ist klein und quadratisch. Von außen wirkt es verwunschen, von innen versifft. Die vier Spangenberger, die das Gelände aufräumen, wollen das ändern: „Wir wollen den Ort in einen würdigen Zustand versetzen und es vorzeigbar machen“, sagt Werner Bechtel. „Die Leute sollen sehen: Spangenberg hat viel zu bieten.“

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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