Auch Überproduktion von Fleisch Thema

Grüne diskutierten über Massentierhaltung

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Sie diskutierten: hinten von links Prof. Dr. Uwe Rösler, Direktor des Instituts für Tier und Umwelthygiene, Uni Berlin, Michael Rotkehl, Geschäftsführer BUND, Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik der Grünen Bundestagsfraktion, vorne von links Martin Häusling, Sprecher für Agrarpolitik der Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament, Grünen-Kreisbeigeordnete Dr. Bettina Hoffmann und die Sprecherin für Verbraucherpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, Nicole Maisch.

Wabern. Pferdefleisch in Fertiglasagne, Etikettenschwindel bei Bio-Eiern: Die Lebensmittelskandale häufen sich. Für die Grünen im Schwalm-Eder-Kreis steht fest: Was jetzt sprichwörtlich auf den Tisch kommt, ist Insidern lange bekannt.

Um die Diskussion zum Thema Lebensmittelproduktion zu fördern, veranstalteten sie eine Podiumsdiskussion, bei der Vertreter aus Politik, Umweltschutz und Landwirtschaft zu Wort kamen. Das Interesse war groß und der Waberner Bahnhofsaal bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt.

"Wir haben die Agrar-Fabriken satt", stellte Michael Rotkugel, Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), fest. Bei der Tierhaltung werde inzwischen mehr als doppelt so viel Antibiotika eingesetzt wie in der Humanmedizin.

Medikament im Trinkwasser

In Geflügelmastanlagen werde das Medikament über das Trinkwasser gegeben, auch wenn nur einige Tiere krank seien. "Um die Haltung auf engem Raum zu ermöglichen werden Schweinen die Schwänze und Hühnern die Schnäbel beschnitten - ohne Betäubung!"

Peter Voss-Fels, Generalsekretär des Hessischen Bauernverbands, reagierte empört. "Was ich hier höre, hat mit der Tierhaltung in Hessen nichts zu tun." "In der Großviehhaltung haben wir eher zu wenig Tiere." Eine Feststellung, die für Protest im Publikum sorgte.

"Und das mit den Antibiotika stimmt so auch nicht", argumentierte Voss-Fels. "Das mag bei den Geflügelhaltern so sein, aber beim Großvieh werden gezielt einzelne Tiere behandelt." Grundsätzlich müsse man aber auch bedenken, dass der hessische Bauer eben Lebensmittel produzieren und nicht etwa Zoohaltung betreiben wolle. "Wir befriedigen die Bedürfnisse der Menschen. Die Entscheidung über die Menge, die gebraucht wird, die fällt ganz klar am Ladentisch."

Darauf konterte Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion: "Da wird nicht nur der Bedarf gedeckt, da wird gezielt überproduziert um auch die Märkte in China, Russland oder Korea zu beliefern." So sei der Fleischkonsum in Deutschland in der Vergangenheit nachweislich zurückgegangen, während die Fleischproduktion gestiegen sei. "Bei Hühnern auf 105, bei Schweinefleisch sogar auf 116 Prozent."

Ein Konsens wurde an dem Abend nicht gefunden. Deutlich wurde, dass für eine Veränderung der Tierhaltungsbedingungen ein Umdenken in der Politik, der Landwirtschaft und beim Verbraucher nötig ist.

Von Moritz Schäfer

Quelle: HNA

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