Grüne empört: Biotop-Abholzungen beim Bau der Seniorenwohnanlage Teichwiesen

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In den Melsunger Teichwiesen baut die Firma Lengemann im Konsortium mit dem Arbeitskreis Gemeindenahe Gesundheitsversorgung (AKGG). Auf dem Gelände befindet sich auch ein größeres Feuchtbiotop.

Melsungen. Die Melsunger Grünen sind empört darüber, dass auf der Baustelle der altersgerechten Wohnanlage Teichwiesen Büsche und Bäume im dortigen Feuchtbiotop abgeholzt worden sind.

Nur noch ein Fünftel des Biotops sei intakt, nachdem in der vergangenen Woche von der nördlichen Seite her Rodungsarbeiten vorgenommen wurden, heißt es in einer Pressemitteilung. Dabei habe Bürgermeister Runzheimer versprochen, das Biotop werde bei den Bauarbeiten nicht angetastet. Auch bei der öffentlichen Vorstellung der Pläne durch den Bauträger, die Grebenauer Firma Lengemann, sei dies bekräftigt worden.

Die Grünen haben sich an die Stadt gewendet und sind nach eigenen Angaben überrascht über die Auskunft, dass der Bebauungsplan eine Abholzung im Biotop auf 35 Metern Breite zulasse. Daraus seien in den folgenden Tagen sogar 50 Meter geworden.

Auch die Stadtverwaltung bestätigt den Eindruck, es seien mehr Gehölze gerodet worden als erlaubt. „Wir haben die Firma Lengemann angeschrieben, um Stellungnahme gebeten und sie aufgefordert, sofort mit den Rodungen aufzuhören“, sagte Stadtbauamtsleiter Martin Dohmann auf Anfrage der HNA.

Die Stadt habe in der Angelegenheit die Untere Naturschutzbehörde eingeschaltet. Für das Gelände in den Teichwiesen gebe es ein naturschutzfachliches Gutachten. Dohmann: „Daran hat sich die Firma zu halten.“ Sollten unerlaubte Eingriffe in das Biotop vorliegen, müsse der Bauträger eventuell für eine Rekultivierung sorgen.

Kritik am Bauträger

Die Grünen sprechen von einem „ökologischen Frevel“ und richten scharfe Kritik an die Adresse des Bauträgers: „Wir finden es unerträglich, dass der Bauherr nicht nur selbst seine Bebauungspläne erstellt, sondern sie auch noch selbst prüft und die Einsprüche selbst bearbeitet“, heißt es in der Pressemitteilung.

Das will der Stadtbauamtsleiter so nicht stehen lassen. Dohmann räumt ein, dass der Planungsentwurf für das Genehmigungsverfahren in der Regie des Bauträgers erarbeitet worden sei. So sei in der Vergangenheit schon mehrmals verfahren worden.

Der Stadtbauamtsleiter sagt: „Wenn jemand ein Projekt plant, das von der Stadt gewünscht ist und unterstützt wird, dann macht es Sinn, dass er dieses Vorhaben planerisch auch selber beschreibt.“

Falsch sei aber die Darstellung, es könnte sich jemand auf diese Weise quasi Baurecht in eigener Sache schaffen. betont Dohmann.

Bei der Wohnanlage Teichwiesen wie auch bei allen anderen städtischen Bauprojekten sei stets das Regierungspräsidium Herr des Genehmigungsverfahrens. Nachdem sämtliche betroffenen Stellen angehört worden sind, habe am Ende die Stadtverordnetenversammlung zu entscheiden, ob sie einen Bebauungsplan als Satzung beschließt – oder eben nicht. „Das Verfahren“, sagt Dohmann, „liegt immer bei der Stadt.“

Quelle: HNA

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