Kind muss in Förderschule - und alle sind dagegen

Neustadt. Das kommende Schuljahr beginnt für ein Kind aus dem Raum Neustadt nicht in der ihm vertrauten Grundschule Mengsberg/Momberg, sondern in einer Förderschule. Und das, obwohl seine Eltern, die Schulleitung und das Kollegium dies ablehnen.

Die UN-Behindertenrechtskonvention hat 2008 „Inklusion“ als Menschenrecht für Menschen mit Behinderungen erklärt. Inklusion (lateinisch „Enthaltensein“) bedeutet, dass alle selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Inklusive Beschulung bedeutet, dass besonders förderungsbedürftige Kinder Regelschulklassen besuchen.

Ja, sie finden den Vorgang sogar mehr als traurig, denn er sei nicht vereinbar mit den Zielen der Inklusion. Was ist passiert? Wie Schulleiterin Regina Kirchner der HNA schilderte, wurde im abgelaufenen Schuljahr ein Kind an ihrer Schule inklusiv beschult: „Das läuft wunderbar.“

Denn, so Regina Kirchner, vier Stunden wurden doppelt mit Lehrern besetzt, alle seien mit dem schulischen Erfolg zufrieden gewesen. Das Problem: Zum kommenden Schuljahr wurde für einen weiteren Schüler der Bedarf für die inklusive Beschulung festgestellt.

Doch obwohl der Fall ähnlich gelagert sei, muss dieses weitere betroffene Kind das Feld räumen und künftig eine Förderschule besuchen, denn die nötigen Lehrerstunden seien vom Schulamt Marburg-Biedenkopf nicht genehmigt worden. „Das ist den Eltern bei dem geltenden Schlagwort von der gleichen Bildung für alle Kinder doch gar nicht zu erklären“, ärgert sich Schulleiterin Kirchner.

Sie versichert, das Kollegium würde das Kind gern an der Schule behalten, „aber wir können es nicht“. Der Grund ist für die Pädagogin eindeutig, die Landespolitik in Wiesbaden wolle sparen. Als Beleg dient Regina Kirchner der Vergleich des Stundenkontingents. Während es im Schuljahr 2012/13 im Raum Stadtallendorf/Neustadt 49 Inklusions-Lehrerstunden gegeben haben, seien es im kommenden Schuljahr nur noch 31.

Das bringt die Schulleiterin so auf, dass sie den Stab ziemlich heftig bricht: „Man spart an der Bildung, es ist eine Katastrophe.“ Die Politik lüge, wetterte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. „Leidtragende sind die Kinder.“

Von Anne Quehl

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Quelle: HNA

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