Metzer Bioenergiegesellschaft plant Nahwärmekonzept für Niedensteiner Kitas

Gülle heizt der Stadt ein

Keine offene Bauweise: In Metze soll das Gärrestlager, wie im Bild zu sehen, luftdicht abgeschlossen werden. Archivfoto: Eberlein

Niedenstein. In Niedenstein entsteht die größte Heizungsanlage des Schwalm-Eder-Kreises. Vier Landwirte planen, mit einer Biogasanlage das Hallenbad, zwei Kindertagesstätten und einen Lebensmittelmarkt zu beheizen. Erstmals im Landkreis soll dabei aber das heiße Wasser und nicht das Gas durch die Leitung transportiert werden.

Die zwei Blockheizkraftwerke sollen an der Biogasanlage entstehen. „Das Wasser wird dann etwa 1,5 Kilometer bis nach Niedenstein geleitet“, sagt Marco Göbel. Betreiber der Anlage wird die Bioenergie Metze GmbH und Co. KG. Geschäftsführer werden Hans-Werner Damm und Heiko Grössel.

„Ein weiterer Vorteil der Biogasanlage für die Metzer ist, dass in der Ortslage keine Gülle mehr gelagert werden muss.“

Landwirt Marco Göbel

Doch die Investition von zwei Millionen Euro soll einen weiteren entscheidenden Effekt haben: „In der Biogasanlage sollen jährlich 9000 Tonnen Gülle und Mist verfüttert werden“, sagt Göbel. Das seien 100 Prozent der Gülle und des Mists der beteiligten Landwirte. Nach den Gärprozessen in der Biogasanlage könne das Substrat als hochwertiger Dünger auf den Feldern ausgebracht werden, dieses Substrat rieche aber fast nicht mehr. „Ein weiterer Vorteil der Biogasanlage für die Metzer ist, dass in der Ortslage keine Gülle mehr gelagert werden muss“, so Göbel weiter. Aus den Ställen werde diese direkt zur Anlage gefahren.

In der Biogasanlage werden 60 Prozent Gülle und Mist sowie 40 Prozent Silomais und Zuckerrüben vergärt. Der Anteil von Gülle sei zwar höher als üblich, so könne sie aber zu 100 Prozent verwertet werden, sagt Göbel.

Die Biogasanlage erzeugt eine elektrische Energie von 530 Kilowatt und eine thermische von 400 Kilowatt. Für den Maisanbau benötigen die Landwirte etwa 100 Hektar Fläche. Dies entspreche einem Fünftel der Anbauflächen, die die vier Landwirte ingesamt hätten, sagt Sven Damm. Es sei daher möglich, die Fruchtfolge einzuhalten.

Kaum Geruch von Anlage

Die Anlieferung von Gülle und Mais könne über drei Feldwege relativ unproblematisch erfolgen, lobt Göbel den Standort. Außerdem liege sie abseits der Hauptwindrichtung, 1,5 Kilometer von der nächsten Wohnbebauung entfernt und rieche ohnehin kaum. Das Gärrestlager werde zusätzlich luftdicht abgeschlossen.

Noch Potenzial vorhanden

Die Gülle verschwindet aus den Orten und wird als Gärrest auf den Feldern weniger riechen, außerdem spart die Stadt Geld bei den Energiekosten: „Alle werden gewinnen“, sagt Erster Stadtrat Robert Bergmann.

Die Stadt werde die beiden Kindertagesstätten anschließen und das Hallenbad. Ein Lebensmittelmarkt werde ebenfalls versorgt, sagt Bergmann weiter. Die Anlage habe aber noch weiteres Potenzial.

„Wir könnten noch eine Straße anschließen“, bestätigt Damm. Aber dies sei Zukunftsmusik. Erstmal soll die Anlage noch in diesem Jahr ans Netz gehen. Dafür fehle aber noch eine Genehmigung vom Regierungspräsidium.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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