Gespannfahrer Tommy Kunert und Markus Eibl siegen und verlieren zusammen

+
Schulter an Schulter: Tommy Kunert (rechts) und Markus Eibl kämpfen im Team um jede Sekunde.

Melsungen. Wenn die Welt am Rand der Rennstrecke vorbeirauscht, mit 120 Kilometern in der Stunde, legen sie ihr Schicksal in die Hände des anderen: Tommy Kunert gibt Gas und Markus Eibl hält das Gespann in der Bahn.

Mal siegen sie, mal verlieren sie, doch immer vertrauen sie aufeinander. Die Gespannfahrer kommen aus Bayern, doch fahren mit einer Lizenz für den MSC Melsungen. Auch beim Grasbahnrennen am Wochenende gingen sie an den Start.

Markus Eibl klammert sich an den Seitenwagen. Dann gibt Tommy Kunert Gas. Der Motor scheppert, der Puls der Fahrer und die Geschwindigkeit des Gespanns schnellen nach oben. „Wir lieben den Nervenkitzel“, sagt der 43-jährige Kunert, der oft für beide spricht. Der achtfache Europameister hat schon viele jüngere Beifahrer gehabt, oft nur kurz, denn fernab der Rennstrecke warteten die Kasernen auf die Wehrpflichtigen. Markus Eibl hingegen begleitet ihn schon seit fünf Jahren.

Sie haben sich gefunden ohne einander zu suchen. „Fahr doch mit“, hat Tommy Kunert fünf Minuten vor dem Start gesagt. Markus Eibl hatte zuvor solo einige Titel eingefahren. „Als Kind stand ich an der Rennstrecke und habe Tommy Kunert siegen sehen“, erinnert sich der 29-Jährige. Dann ist er bei ihm eingestiegen. Nur ein Rennen, sagten sie sich. Doch sie fuhren als erste ins Ziel und wurden Partner.

Seitdem siegt das Duo immer wieder. Vielleicht 80 oder 90 Mal, schätzen die Fahrer, sie haben die Trophäen nicht gezählt. 2008 wurden sie in Bielefeld Europameister. Fotos zeigen, wie Kunert, Eibl und ihr Mechaniker Edgar Starke auf dem obersten Treppchen stehen. Schulter an Schulter.

Sie haben auch verloren. Manchmal um Haaresbreite, manchmal sind sie viele Meter am Sieg vorbeigeschlittert.

Ja, sagen Kunert und Eibl, sie sind ein gutes Team. „Weil wir siegen können“, sagt der Fahrer. „Weil wir siegen und verlieren können – und trotzdem zusammenbleiben“, sagt der Beifahrer.

Der Staub der Rennstrecke reibt wie Schleifpapier in ihren Mündern. Tommy Kunert und Markus Eibl teilen sich eine Wasserflasche. Abends, wenn die Motoren im Fahrerlager verstummen, teilen sie sich das Wohnmobil. Doch nach dem Rennen trennen sich ihre Wege: Kunert fährt heim nach Memmingen, Eibl nach Passau. Bis zum nächsten Rennen.

Quelle: HNA

Kommentare