24-Jähriger muss viereinhalb Jahre ins Gefängnis

Gutes Leben mit dem Geld anderer

Fritzlar. Wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 17 Fällen verurteilte das Amtsgericht Fritzlar einen 24-jährigen Mann aus Bad Zwesten zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Da der Verurteilte noch unter Bewährung stand, schließt das Strafmaß früher begangene Straftaten mit ein.

Die Staatsanwältin las eine lange Liste von Straftaten vor. Sie legte dem Mann zur Last, dass er das Vertrauen von Arbeitskollegen, Freunden und Bekannten missbraucht habe, um an deren Geld zu kommen.

Der Angeklagte gab zu, vom Sommer 2008 bis Ende 2009 in Bad Zwesten und anderen Orten sieben gutgläubigen Mitmenschen mit unwahren Geschichten 90 000 Euro aus der Tasche gezogen zu haben.

Auf die Frage des Richters, wie das alles gekommen sei, berichtete der Angeklagte, dass er 2002 als 16-Jähriger nach Österreich ging. Dort habe er bis 2006 bei einem reichen, ehemaligen Geschäftspartner seines Vaters gelebt.

Mit Vorwurf in der Stimme sagte er: „Der hat mir alles gegeben, was ich mir wünschte. Durch ihn bin ich zur Spielsucht gekommen“. Ab 2004 habe er regelmäßig Spielbanken in Deutschland, Österreich und der Schweiz besucht und 300 000 bis 400 000 Euro verspielt. In den Jahren 2007 und 2008 habe er bei einem Versicherungsvermittler in Kassel gearbeitet. Schließlich habe sein Verdienst nicht mehr ausgereicht, und er habe zusehen müssen, wie er zu mehr Geld komme. Als der Beschuldigte einen der Geschädigten als einen Mann mit einem Helfer-Syndrom bezeichnete und der Richter ihm darauf antwortete: „Und sie hatten wohl ein Nehmer-Syndrom“, konnte sich mancher im Gerichtssaal ein Lachen nicht verkneifen.

Die Staatsanwältin informierte, dass die Straftaten von den Geschädigten selbst nicht angezeigt wurden. Eine Bank habe den Verdacht der Geldwäsche gemeldet. Die Verteidigerin wies daraufhin, dass es alle Geschädigten ihrem Mandanten leicht gemacht hätten, an ihr Geld zu kommen.

Richter Gerhard Lohr dazu: „Wir haben hier einen jungen Menschen, der Reizen ausgesetzt war, diesen erlag und ein gutes Leben mit dem Geld anderer führte.“ Seine Spielsucht habe er nicht nachhaltig behandeln lassen, sondern ein freies, unbeschwertes Leben vorgezogen.

Das Kartenhaus sei schließlich zusammen gebrochen. Heute müsse er sich verantworten. Aus den Vorstrafen habe er nichts gelernt.

Mit dem Urteil blieb das Gericht ein Jahr unter dem Antrag der Staatsanwältin. Die Untersuchungshaft wird wegen Flucht- und Wiederholungsgefahr fortgesetzt. Der Angeklagte hat die Kosten des Verfahrens zu tragen. (zam)

Quelle: HNA

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