Gründerpreis: Schüler haben ein Gerät entwickelt, das Medizinerhände desinfiziert

Sie haben eine saubere Idee

Vier Schüler, ein Unternehmen: Lukas Göring (weißer Kittel) steckt seine Hände in einen High-Tec-Muff, der Medizinerhände sauber halten soll. Das Gerät, das David Kress (vorne) präsentiert, steuert die Reinigung. Im Hintergrund stehen Maurice Feckler (links) und Daniele Küstner. Foto: Schleichert

Melsungen/Kassel. An den unscheinbarsten Orten beginnen die größten Erfolgsgeschichten: Die der vier Kasseler Schüler, die in einem Keller wochenlang an ihrer Idee tüftelten, ist noch nicht geschrieben. Doch die Elftklässler der Jacob-Grimm-Schule glauben an ihren Erfolg. Sie haben ein Modell entwickelt, das Hände besser desinfizieren soll als eine Handreinigung. Einen Prototypen gibt es noch nicht.

„Am Anfang war es ein Planspiel“, sagt der 17-jährige Maurice Feckler. Er spielt den Geschäftsführer. Zusammen mit David Kress, Lukas Göring und Daniele Küstner hat er sich für den Deutschen Gründerpreis für Schüler beworben, bei dem Jugendliche ein fiktives Unternehmen gründen.

„Am Anfang war es ein Planspiel – jetzt meinen wir es ernst.“

Maurice Feckler Schüler

Jetzt, da die Fristen abgelaufen und die ersten Punkte vergeben sind, stehen sie in einem Tagungssaal der Firma B.Braun. Das Melsunger Unternehmen hat die Patenschaft für die Elftklässler übernommen – zusammen mit der Kreissparkasse Schwalm-Eder.

Das Publikum aus Ärzten, Medizintechnikern und Bankern lauscht keinen Schülern in Konfirmandenanzügen. Vor ihnen stehen vier Unternehmer. Die Kragen sitzen, die Reden auch.

„30 000 Todesfälle“, wirft der Projektor an die Wand. So viele Menschen sterben jedes Jahr in deutschen Krankenhäusern, weil sie dort mit Viren und Bakterien infiziert wurden, erklärt Maurice Feckler. „Dagegen wollten wir etwas unternehmen.“

Ein Schlauch, den Mediziner wie einen Muff im Kittel tragen, soll das Hygienewesen revolutionieren. Er prüft die Hände auf Bakterien und Viren – und desinfiziert sie schließlich. „Damit kann man selbst Methicillin-resistente Staphylococcus aureus bekämpfen“, sagt Lukas Göring. Er meint den Krankenhaus-Erreger MRSA. Die Zuhörer applaudieren, einer klopft den Jugendlichen auf die Schulter.

Zwar sind Produkt und Firma nur ein Modell, doch sie funktionieren in der Theorie: Der Businessplan ist überzeugend, die Finanzierung ausgeklügelt, die Marketing-Strategie durchdacht. „Es ist zwar ein Spiel“, sagt Lehrer Friedrich Schröder, der das Projekt begleitet hat, „doch es kommt der echten Firmengründung sehr nah.“

Die vier Unternehmer atmen auf. Die zwei Kamerateams haben zusammengepackt. Auf Schritt und Tritt sind sie ihnen heute gefolgt. Journalisten haben die Jugendlichen mit Fragen gelöchert. Warum sie, 17 und 18 Jahre alt, ihre Freizeit opfern würden. „Es ist doch ein gutes Gefühl, sich für etwas zu begeistern“, hat Daniele Küstner gesagt. Sogar vorm Einschlafen habe er an die Firma gedacht. Jetzt lockert er den Kragen seines Hemds. Ab morgen ist er wieder Schüler. Artikel unten

Von Pia Schleichert

Quelle: HNA

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