Interview mit Dekan Dr. Helmut Umbach (evangelisch) und Dechant Jörg Stefan Schütz (katholisch)

Katholisches und evangelisches Dekanat in Fritzlar haben viel gemeinsam

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Gemeinsam vor dem Fritzlarer Dom: Der protestantische Dekan Dr. Helmut Umbach (links) trifft auf den katholischen Dechanten Jörg Stefan Schütz. Ihr Thema: die Ökumene, die Zusammenarbeit der Konfessionen.

Fritzlar. In kaum einer Stadt sind sich die Konfessionen räumlich so nah wie in Fritzlar. Evangelisches und katholisches Dekanat sind wenige Schritte voneinander entfernt. Jetzt bewegt sich etwas in der Ökumene - der Zusammenarbeit der Konfessionen.

Wir sprachen mit Dekan Dr. Helmut Umbach (evangelisch) und Dechant Jörg Stefan Schütz (katholisch).

Gemeinsame Gemeindefahrten, lebendiger Adventskalender - in Fritzlar ist plötzlich viel Ökumene. Ist da ein Ruck durch die Gemeinden gegangen? 

Jörg Stefan Schütz: Als ich herkam, war Ökumene für mich selbstverständlich. Wir versuchen, so gut es geht in der Ökumene zusammenzuarbeiten. Wir werden zum Beispiel erstmals einen ökumenischen Jugendkreuzweg gestalten. Ökumene ist für mich nicht Kür, sondern im positiven Sinn eine Pflicht, den Jesus Christus hat selbst gesagt: „Ich will, dass alle eins sind.“

Dr. Helmut Umbach: Es gab schon manche Ansätze, aber die Ökumene hat jetzt eine andere Qualität gefunden, weil nach der Renovierung des Domes - während der die Katholiken auch in unserer Stadtkirche Gottesdienst gefeiert haben - ein unprätentiöses Miteinander entstanden ist.

Die Zusammenarbeit mit den Prämonstratensern war wohl schwieriger? 

Umbach: Menschlich ganz fein, aber von den Lehrinhalten auch sehr abgegrenzt. Man wusste genau, mit wem man es zu tun hatte. Ökumenische Verbindungen hier vor Ort gibt es aber schon sehr lange über ganz viele konfessionsverbindende Ehen.

Diese Ökumene an der Basis ist doch auch ein Auftrag an Sie an der Spitze, noch mehr aufeinander zuzugehen? 

Schütz: Auf jeden Fall. Ich stamme selber aus einer konfessionsübergreifenden Ehe; meine Schwester hat einen evangelischen Mann geheiratet, und das funktioniert sehr gut.

Bischof Algermissen hat in in Fritzlar einmal gesagt, er beobachte bei jungen Theologen, dass dort oft das Wissen über die jeweils andere Konfession fehle. Stellen Sie das bei Ihren Gemeindegliedern auch fest? 

Schütz: Das müssen wir in der Ökumene unbedingt noch weiterkommen. Einige wissen sehr wenig. Ich beobachte, dann zwei Reaktionen. Entweder: Das will ich auch gar nicht kennenlernen. Oder die etwas überspielende Floskel: Wir haben doch alle den einen Gott. Das stimmt natürlich, aber bei allem, was gemeinsam ist - und ich denke, das macht über 80 Prozent aus - haben wir auch Dinge, die uns noch voneinander trennen. Da muss man Bescheid wissen, um in einen Dialog zu treten.

Umbach: Die Perspektive, da sind wir uns einig, ist Jesus Christus. Bei der Taufe ist nahezu alles eins, bei der Eucharistie oder Abendmahl und beim Amtsverständnis liegen noch Unterschiede. Und dieser Dialog ist im Miteinander-Leben viel besser hinzukriegen als nur durch Lehrbücher.

Amtsverständnis bezieht sich auf...? 

Umbach: ...auf geweihte Priester. Nach katholischer Lehre ist es eines der Sakramente und nach Martin Luther ist jeder, der getauft ist, grundsätzlich Priester.

Schütz: ...wobei auch die katholische Kirche das allgemeine Priestertum kennt.

Umbach: Und Frauen im Pfarramt sind ein Thema. Wobei es das auch bei uns Protestanten noch nicht so lange gibt - in unserer Landeskirche seit etwas über 50 Jahren.

Wir haben darüber gesprochen, was Sie trennt. Was ist vor allem das Verbindende? 

Schütz: Wir haben den selben dreifaltigen Gott, den wir auch gemeinsam verehren. Wir sind uns in Gottesdienstformen sehr nahe. Wir haben eine gemeinsame 1500-jährige Kirchengeschichte. Wir haben das selbe Glaubensbekenntnis und beten das Vaterunser. Der Gebetsschatz beruht auf dieser gemeinsamen Zeit. Das wichtigste ist, dass wir unseren Alltag als Christen leben und nicht nur gucken, was uns trennt. Wir können voneinander lernen, wir müssen es uns nur zugestehen.

Das heißt auch, die beiden Kirchen müssen sich auch ergänzen? 

Schütz: Es ist ein bisschen wie in einem Hochseilgarten. Da gibt es manchmal zwei parallele Baumstämme, die aber so weit voneinander entfernt sind, dass man nicht alleine rüber gehen kann. Wenn man sich aber in der Mitte die Hände reicht und sich gegenseitig abstützt, kann man den Parcours gut überwinden. Dieses Bild würde ich gerne für die Ökumene nehmen.

Umbach: Für mich ist wichtig, dass wir aus einer gemeinsamen Quelle kommen und ein gemeinsames Ziel haben.

Könnten Sie ein Ziel formulieren, dass die Ökumene in Fritzlar in absehbarer Zeit erreichen soll? 

Umbach: Wenn ich es noch erlebe, dass man sich beim Abendmahl die gegenseitige Gastbereitschaft gewähren kann, wäre das sehr schön.

Schütz: Auf die nächsten zehn Jahre geblickt, wäre es schön, wenn wir gemeinsame Bibelabende, wie wir sie jetzt planen, regelmäßig hätten.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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