Streit um ein Manuskript

Häftlinge verklagen sich wegen Geld für Buchveröffentlichung

Schwalmstadt. "Die menschliche Enttäuschung war viel schlimmer als das verlorene Geld", beklagte sich der 65-jährige Geschädigte, der seinen ehemaligen Mithäftling in der Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt wegen Betruges angezeigt hatte. Das Verfahren wurde vorläufig eingestellt.

Das Opfer hatte dem Angeklagten 500 Euro überwiesen, die für die Veröffentlichung seines Science-Fiction-Romans gedacht waren. Dazu kam es jedoch nicht, weil der Angeklagte den Auftrag nicht wie besprochen ausführte. Der Angeklagte muss nun allerdings dafür sorgen, dass der Autor innerhalb von sechs Monaten sein Geld nebst Zinsen zurückerhält, sonst wird das Verfahren wieder aufgenommen.

Der Angeklagte habe seinem Mithäftling im Sommer 2011 angeboten, das Manuskript des Romans seiner Schwester zur Digitalisierung zuzusenden, berichtete der 43-Jährige. Kurz darauf habe er dem Geschädigten versichert, dass seine Schwester das Manuskript bereits an einen Verlag weitergeleitet habe.

Dies sei eine Lüge gewesen, gab der Mann zu. Er habe seinen Freund mit dieser Behauptung lediglich beruhigen wollen. Zudem habe er sich durch dessen ständiges Nachfragen unter Druck gesetzt gefühlt.

Tatsächlich habe er seine Schwester nie mit der Angelegenheit belasten wollen. Er habe die Aufgabe stattdessen selbst während seiner demnächst anstehenden Vollzugslockerung erledigen wollen. Die Schwester äußerte sich vor Gericht nicht zum Sachverhalt. Sie machte als nahe Angehörige von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Der Verdacht, dass der Angeklagte sich von den 500 Euro Tabakwaren und Kaffee gekauft haben soll, bestätigte sich nicht. Zwar wurden Pakete für ihn ins Gefängnis geliefert, ein Zusammenhang mit der ihm anvertrauten Summe bestand jedoch schon in zeitlicher Hinsicht nicht. Nach der Anzeige sei er einfach so verärgert gewesen, dass er auf stur geschaltet und das Geld nicht zurückgezahlt hatte. Die Anzeige sei ein Vertrauensbruch gewesen, rechtfertigte sich der Mann.

Der Autor hat sich nach eigener Aussage vielmehr um sein 350 Seiten starkes Manuskript gesorgt, als um das Geld. "Da stecken dreieinhalb Jahre Arbeit drin", berichtete er aufgebracht. Während einer Befragung zu dem Vorfall hatte der Angeklagte das Manuskript bereits einem Polizisten ausgehändigt. So konnte der Autor sein Werk schon vor der Verhandlung wieder in den Händen halten.

Von Selina Merle

Quelle: HNA

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